Lebensraum Grünes Dach

Lebensraum grünes Dach

Forschung, Bildung und Schutz der Biodiversität in der Stadt

Auf den ersten Blick erscheint es unscheinbar, doch das begrünte Dach des Müritzeums steckt voller Leben. Mit dem Projekt „Lebensraum grünes Dach“ möchte das Müritzeum auf die Bedeutung von Ökosystemen in der Stadt aufmerksam machen.

Im Jahr 2007 wurde eine extensive Saatgutmischung ausgebracht, die sich in den vergangenen Jahren zu einer dauerhaften Begrünung entwickelt hat. Die bewachsene Fläche bietet zahlreichen Tierarten (z. B. Insekten & Lachmöwen) einen Lebensraum. Die dort vorkommenden Pflanzen sind sich selbst überlassen und müssen u. a. extremen Witterungen standhalten.

Fragestellungen des Projekts „Lebensraum grünes Dach“

  1. Welche Insekten (besonders Schmetterlinge) und Pflanzen kommen auf dem „Grünen Dach“ vor?

  2. Nutzen die nachgewiesenen Insekten die Pflanzen als Nahrungsquelle oder auch für die Fortpflanzung?

  3. Welche Pflanzenarten der ursprünglich auf dem Dach ausgebrachten Saatmischung haben sich etabliert, sind nicht (mehr) nachweisbar oder neu hinzugekommen?
Nahaufnahme des Taubenschwänzchens an einer lilafarbenen Blüte saugend.
Taubenschwänzchen © Dr. Volker Thiele
Eine Mitarbeiterin des Müritzeums baut die Lebendfalle auf dem grünen Dach auf.
Aufbau der Lebendfalle © Claudia Siatkowski/Müritzeum

Im Bann des Lichts

Für den Fang und die anschließende Bestimmung von nachtaktiven Insekten werden im Rahmen des Projektes „Lebensraum grünes Dach“ Lebendfallen genutzt. Durch superaktinische Lampen, die einen hohen UV-Anteil aufweisen, werden die Insekten zur Falle gelockt. Die drei sternförmig angeordneten Plastikscheiben leiten sie durch einen Trichter, der in einen Fangsack mündet. Dieser wird regelmäßig zur Bestimmung der Insekten geleert.

Bei guten Witterungsbedingungen können Besucherinnen und Besucher ein Modell der Falle auf dem Dach des Müritzeums sehen. Weiterhin wird es auf der Dachterrasse eine Erweiterung der Ausstellungsinhalte durch Hinweistafeln geben, auf denen sich Interessierte über das Projekt „Lebensraum grünes Dach“ und die genaue Funktionsweise der Lebendfallen informieren können.

Ergebnisse & Aktuelles

Das Projekt „Lebensraum grünes Dach“ ist im März 2023 gestartet und läuft bis Juni 2025. 
In den kommenden zwei Jahren finden botanische und entomologische Beobachtungen, Untersuchungen und Aufnahmen auf dem Dach des Hauses der 1000 Seen statt. Hierüber und über hoffentlich spannende Ergebnisse des Projekts halten wir Sie auf dieser Seite auf dem Laufenden.

Projektstart

Projektstart im März 2023

Die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung (NUE) hat den Antrag auf finanzielle Unterstützung des Projekts „Lebensraum grünes Dach – Forschung, Bildung und Schutz der Biodiversität in der Stadt“ bewilligt. Somit können die Projektpartner informiert und die finalen Planungen zum Start des Projekts abgeschlossen werden.  

April 2023

Der April stand ganz im Zeichen der Vorbereitungen für das neue Projekt. Zusammen mit der Technikabteilung im Haus und durch genaue Absprache mit den beteiligten Zoologen und Botanikern wurden die einzelnen Bestandteile der Lebendfallen bestellt und zusammen gebaut.

23. Mai 2023
  • Nach dem Bau der Lebendfallen samt Halterung für einen optimalen Stand auf dem grünen Dach begann die Standortsuche, um die bestmöglichen Standorte für die drei Fallen festzulegen.
  • Nach einem ersten Probelauf Mitte Mai konnten noch keine Erfolge verzeichnet werden, da noch keine optimalen Witterungsverhältnisse vorliegen: die Nächte sind noch zu kalt und die letzten Tage waren zu windig.
  • Wetterbedingungen am Erfassungstag: 26 Grad Celsius, sonnig, leichter Wind
  • Am 23.05. wurden erste Raupen auf dem grünen Dach entdeckt. Die Lebendfallen wurden bisher noch nicht angeflogen:
    – 1 erwachsene Raupe der Hausmutter (Noctua pronuba L.) auf Hornklee
    – 5 Raupen des Wolfmilch-Ringelspinners (Malacosoma castrensis L.) auf Hornklee. Dieser bewohnt sonnig-warme Standorte (Magerrasen, Heiden) und frisst bevorzugt an Zypressen-Wolfsmilch, Beifuß, Wiesen-Flockenblume, aber auch an Fabaceen. Im frühen Stadium leben diese Falter gesellig, erwachsen eher einzeln. In den Roten Listen für Mecklenburg-Vorpommern und Deutschland gilt dieser Vertreter als „gefährdet“ und hat in der Bundesartenschutzverordnung einen hohen Schutzstatus („besonders geschützt“) und ist somit bereits zum Start des Projekts von großer Bedeutung.



     

21. Juni 2023
  • Auch im Juni waren die Witterungsverhältnisse für das Projekt nicht optimal. Die Nächte blieben weiterhin sehr kühl und die benötigte Temperatur von 10 Grad, bei der die Nachtfalter erst aktiv werden, wurde nur selten erreicht. Weiterhin war es im Juni sehr trocken und windig. Somit stellt die Witterung einen entscheidenden Faktor dar, weshalb die Lebendfallen bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht angeflogen wurden und ein Fangerfolg bisher ausblieb. Diese schwierigen Wetterverhältnisse beeinflussen nicht nur den entomologischen Teil des Projekts, sondern verzögern auch die Entwicklung der Pflanzen auf dem grünen Dach.
  • Wetterbedingungen am Erfassungstag: 26 Grad Celsius, sonnig, leichter Wind
  • Folgende Insekten konnten bei der Begehung des grünen Dachs am 21. Juni erfasst werden:
    – Zwei Exemplare des Kleinen Kohlweißlings (Pieris napi) flogen lange auf dem stadtnahen Teil des Müritzeum-Gründaches und saugten an blühenden Fetthennengewächsen.
    – Ein Exemplar des Großen Kohlweißlings (Pieris brassicae) flog kurz auf dem hinteren Teil des Gründaches (zum Herrensee hin) und saugte an blühenden Fetthennengewächsen.
    – Mehrere Exemplare der Hellen Erdhummel (Bombus lucorum) konnten insbesondere auf der unteren Ebene des Daches beobachtet werden (Lachmöwenbrutplatz), wo sie intensiv an Blüten von Fetthennengewächsen saugten.


    – Mehrere Exemplare der Honigbiene (Apis mellifera) wurden auf verschiedenen Ebenen des grünen Daches gesichtet.
14. Juli 2023
  • Die Lebendfallen kamen aufgrund der schwierigen Witterungsverhältnisse nur selten zum Einsatz und wurden bei den wenigen Hängungen über Nacht noch nicht angeflogen.
  • Wetterbedingungen am Erfassungstag: 30 Grad Celsius, sonnig bis mäßig bewölkt, leichter Wind
  • Folgende Insekten konnten bei der Begehung des grünen Dachs am 14.07. erfasst werden:
    – Ein kleiner Kohlweißling (Pieris napi) flog auf dem stadtnahen Teil des Gründachs und saugte v.a. an Thymian.
    – 5 Exemplare eines großen Kohlweißlings (Pieris brassicae) flogen, getrieben durch den Wind, kurz auf dem stadtnahen Teil des Dachs und saugten an blühendem Thymian sowie an Fetthennegewächsen.
    – Die Gamma-Eule (Plusia gamma = Autographa gamma*) flog auf dem unteren Teil des grünen Dachs hin zum Herrensee. Der Nachtfalter saugte an verschiedenen blühenden Pflanzen und war gut am typisch schnellen Flug zu erkennen.


    – Die Weiße Tigermotte (Spilosoma menthastri = Spilosoma lubricipeda*) saß an der Holzwand auf dem unteren Teil des grünen Dachs hin zum Herrensee und war in einer größeren Holzlücke versteckt.

    * erster Name nach KOCH (1991), zweiter Name nach STEINER et al. (2014)

11. August 2023
  • Auch im August zeigte sich, in Bezug auf die Hängung der Lebendfallen, ein ähnliches Bild wie zuvor bereits im Juli. Die  Witterungsverhältnisse bleiben weiterhin schwierig – die erste Augusthälfte brachte sehr viel Regen und kältere Temperaturen. Somit kamen die Lebendfallen weiterhin nur selten zum Einsatz und wurden bei den wenigen Hängungen über Nacht noch nicht angeflogen.
  • Wetterbedingungen am Erfassungstag: 23 Grad Celsius, sonnig bis mäßig bewölkt, leichter Wind

Folgende Insekten konnten bei der Begehung des grünen Dachs am 11.08. erfasst werden:
– Jeweils zwei Exemplare eines Rübenweißlings (Pieris rapae) und des Großen Kohlweißlings (Pieris brassicae) flogen auf dem stadtnahen Teil des Müritzeum-Gründaches und saugten v.a. an Fetthenne und Thymian.
– Ein Exemplar der Stumpfflügeligen Graseule (Mythimna impura) wurde an der untersten Ebene der Holzwand vom Haus der 1000Seen auf einer Flechte sitzend, gesichtet. Die Raupe frisst an Gräsern und entwickelt sich in Feuchtbiotopen. 



– Mehrere Exemplare der Blauflügeligen Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) befanden sich im stadtnahen Bereich des Daches. Durch das BArtSchV werden sie als „besonders geschützt“ eingeordnet und nach Roter Liste für Mecklenburg-Vorpommern gelten sie als „stark gefährdet“ (Gefährdungskategorie 2) und sind somit für das Projekt „Lebensraum grünes Dach“ von besonderer Bedeutung.  

– Auch Exemplare der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris), der Hellen Erdhummel (Bombus lucorum Komplex), der Ackerhummel (Bombus pascuorum) sowie der Steinhummel (Bombus lapidarius) konnten während der Begehung, vornehmlich am Vorderrand der Abtreppung zum Herrensee auf der mittleren Besucheretage, beobachtet werden. Alle Arten saugten an Nachblühern der Fetthenne. Diese Hummelarten sind häufig vertreten, aber ebenso alle durch die BArtSchV besonders geschützt.

Dunkle Erdhummel
Helle Erdhummel
Steinhummel
Ackerhummel
23. August 2023
  • Das Aufhängen der Lebendfallen erfolgte weiterhin nur an wenigen Tagen im August –  Fänge und nennenswerte Ergebnisse stehen aus. 
  • Wetterbedingungen am Erfassungstag: 26 Grad Celsius, sonnig bis mäßig bewölkt, leichter Wind

Folgende Insekten konnten bei der Begehung des grünen Dachs am 23.08. erfasst werden:
– Zwei Exemplare des Großen Kohlweißlings (Pieris brassicae) im Überflug der stadtnahen Terrasse des Müritzeum-Gründaches sowie insgesamt 22 Sichtungen des Rübenweißlings (Pieris rapae) in der bisherigen Beobachtungszeit des Projekts auf allen Ebenen. Beide Arten saugten v.a. an blühenden Fetthennen. 


Rübenweißling

– Ein Weibchen des Hauhechelbläulings (Polyommatus icarus) befand sich auf der stadtnahen mittleren Ebene und saugte an blühenden Pflanzen und saß auf Pflanzen sowie vegetationsarmen Stellen. Diese Art ist nach BArtSchV „besonders geschützt“.






– Ein Exemplar des Kleinen Feuerfalters (Lycaena phlaeas) wurde auf der mittleren, stadtnahen Ebene gesichtet und saß eine geraume Zeit auf Pflanzen und vegetationsarmen Stellen. Auch diese Art ist nach BArtSchV „besonders geschützt“. 


– Auch bei dieser Begehung konnten mehrere Exemplare der Blauflügeligen Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) gesichtet werden. Diese befanden sich im stadtnahen Bereich des Daches – besonders auf Rohboden. Durch das BArtSchV werden sie als „besonders geschützt“ eingeordnet und nach Roter Liste für Mecklenburg-Vorpommern gelten sie als „stark gefährdet“ (Gefährdungskategorie 2). 
– Auch Exemplare der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) sowie der Steinhummel (Bombus lapidarius) konnten während der Begehung, vornehmlich am Vorderrand der Abtreppung zum Herrensee auf der mittleren Besucheretage, beobachtet werden. Alle Arten saugten an Nachblühern der Fetthenne. Diese Hummelarten sind häufig vertreten, aber ebenso alle durch die BArtSchV besonders geschützt.

01. September 2023
  • Wetterbedingungen am Erfassungstag: 16 Grad Celsius, mäßig bewölkt, stärkerer Wind

Folgende Insekten konnten bei der Begehung des grünen Daches am 01.09. erfasst werden:
– Ein Exemplar des Großen Kohlweißlings (Pieris brassicae) auf der stadtnahen Terrasse des Müritzeum-Gründaches saugte kurz an Blüten der Fetthennen und wurde dann aber durch den starken Wind verdriftet.   

– Ein Exemplar des Tagpfauenauges (Aglais io) konnte auf der mittleren Terrasse des bewachsenenen Daches (zum Herrensee hin) beobachtet werden und saugte an blühender Fetthenne und wurde aber ebenfalls durch den starken Wind schnell wieder verdriftet. 
– Mehrere Exemplare der Blauflügeligen Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) befanden sich im stadtnahen Bereich der mittleren Dachterrasse auf dem vegetationsarmen mittleren Streifen und an der Leeseite der Lüftungsschächte. Durch das BArtSchV werden sie als „besonders geschützt“ eingeordnet und nach Roter Liste für Mecklenburg-Vorpommern gelten sie als „stark gefährdet“ (Gefährdungskategorie 2). 
– Zahlreiche Exemplare der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) sowie der Steinhummel (Bombus lapidarius) saugten an Nachblühern der Fetthennen. Sie konnten, während der Begehung, vornehmlich am Vorderrand der Abtreppung zum Herrensee auf der mittleren Besucheretage beobachtet werden. Beide Arten sind häufig vertreten, aber ebenso durch die BArtSchV „besonders geschützt“.

  • Ab dem Monat September wurde ebenfalls eine Lichtfalle am Herrensee im Museumsgarten angebracht. Diese Referenzfalle wies folgende Ergebnisse auf:
    – Hausmutter (Noctua pronuba): 3 Exemplare
    – Weißpunkt-Graseule (Mythimna albipuncta): 1 Exemplar
    – Ampfer-Wurzelbohrer (Triodia sylvina): 1 Exemplar

News & Berichterstattungen

Lebensraum grünes Dach

Lebensraum grünes Dach

Das Müritzeum startet ein besonderes Citizen-Science-Projekt zur Biodiversität in der Stadt. Zusammen mit Projektpartnern des Entomologischen Vereins Mecklenburg e.V. sowie der Warener Fachgruppe Botanik "Carl ...

Werden Sie Teil des Forschungs-Teams: Schulprojekte zum "Lebensraum grünes Dach"

Im Rahmen dieses besonderen Projekts bietet das Müritzeum umweltpädagogische Angebote für Schülerinnen und Schüler zur Thematik „Lebensraum Stadt“ an. Diese Veranstaltungen sind durch die Förderung für die Schulen kostenfrei und beinhalten verschiedene Themenkomplexe, die klassenstufengerecht und anschaulich vermittelt werden.

Projektstart

Angebote Grundschule

Zeichnung einer Biene, die eine gelbe Blüte anfliegt

  • Wir erforschen und entdecken Insekten
    – Insekten und anderen Kleintiere kennen- und unterscheiden lernen
    – Welche Tiere sind auf dem „Grünen Dach“ zu Hause?
    –> Dauer: ca. 1,5 bis 3 Stunden

  • Wir entdecken den Lebensraum Wiese
    – Tieren und Pflanzen auf der Wiese entdecken
    – Unterschiede und Gemeinsamkeiten Lebensraum „Grünes Dach“
    –> Dauer: ca. 1,5 bis 3 Stunden
Angebote Sekundarstufe 1

Zeichnung eines Käfers, der auf einem Blatt sitzt

  • Als Insektenforscher unterwegs
    – Artenkenntnis Insekten und Spinnen
    –> Dauer: ca. 2 bis 3 Stunden

  • Als Pflanzenforscher unterwegs
    – Artenkenntnis heimischer Pflanzen
    –> Dauer: ca. 2 bis 3 Stunden 
Angebote Sekundarstufe 2

Zeichnung eines Schmetterlings, der auf einer Blüte sitzt

  • Ökologie städtischer Lebensräume
    – Artenkenntnis auffrischen und erweitern
    – Naturwissenschaftliche Methoden kennenlernen
    –> Dauer: ca. 2 bis 3 Stunden

  • Wechselbeziehungen von Lebewesen
    – Abiotische und biotische Umwelteinflüsse
    –> Dauer: ca. 2 bis 3 Stunden

Kooperationspartner & Finanzierung

Die wissenschaftliche Umsetzung des Projekts erfolgt durch den Entomologischen Verein Mecklenburg e. V. und die Fachgruppe Botanik „Carl Struck“ des NABU Regionalverbandes Müritz. Das Projekt wird von der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung (NUE) aus Erträgen der Lotterie BINGO! Die Umweltlotterie gefördert. Wir möchten uns bei allen Projektpartnern für die Zusammenarbeit bedanken!

© pixabay

Projektleitung & Kontaktdaten

Für alle Fragen rund um das Projekt und als erste Ansprechpartnerinnen stehen Ihnen Frau Birte Schadlowski sowie Frau Tamara Kalmbach zur Verfügung. Unsere Kolleginnen aus der Umweltbildung erreichen Sie unter folgenden Kontaktdaten:

E-Mail: umweltbildung@mueritzeum.de
Telefon: 03991 633 68 21

Weitere Termine und Veranstaltungen im Rahmen des Projekts werden in Kürze auch auf dieser Seite bekannt gegeben.

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