Newsletter 1 - 2010

Freude und Frust - Erfahrungen mit einem Fischotter

FischotterIn Deutschland gehören Fischotter zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten. Die Bestände gingen in den letzten Jahrzehnten trotz Unterschutzstellung stark zurück. Dazu trugen maßgeblich die Verbauung von Gewässern und die damit verbundene Zerstörung von Lebensräumen, als auch der zunehmende Straßenverkehr bei, dem die wandernden Otter zum Opfer fielen.

Das Müritzeum, beherbergt als Bestandteil seiner Ausstellungen, das größte Aquarium für heimische Süßwasserfische Deutschlands.
Eine Attraktion des Aquariums stellen zwei große Außenaquarien dar, welche in ein an das Gebäude angrenzenden, natürlichen See, gebaut sind. Durch eine große Acrylglasscheibe ist es den Besuchern der Einrichtung möglich sowohl in diese Aquarien, als auch darüber hinweg, auf den Herrensee, zu schauen.

Auf Grund der lang anhaltenden Kälte, zu Beginn dieses Jahres, waren sämtliche natürliche Gewässer der Müritzregion, selbst Fließgewässer, weitgehend zugefroren. Unmittelbar an den Außenteichen, welche im Winter eisfrei bleiben, speist ein Bachlauf den Herrensee mit Wasser. Hier blieb im Winter der einfließende Bereich, durch die relativ hohe Fließgeschwindigkeit, zusätzlich zu den angrenzenden Außenaquarien, eisfrei.

Das lockte zunächst eine Vielzahl Entenvögel an, mit zunehmender Dauer der Kälteperiode jedoch auch entsprechende Räuber. So wurden neben Fuchs und Katze eines Tages auch Spuren von Fischottern im frischen Schnee entdeckt. An Hand der Spuren war zu erkennen, dass die Tiere an einigen Stellen im Schnee regelrecht herumtollten. Kurzzeitig konnte ein ausgewachsenes Tier, aus einiger Entfernung, auf dem Herrensee beobachtet werden.

Die Freude bei den Gästen und Mitarbeitern der Einrichtung war groß, ist es doch eine Seltenheit einen Fischotter am Tage, und dann noch mitten in einer Ortschaft, zu beobachten.

Eine skeptische Betrachtung dieser possierlichen Tiere war dann jedoch angebracht. Trotz funktionsfähigem Elektrozaun, welcher vorsorglich um die Außenteiche gespannt worden war, drang ein ausgewachsenes Tier mehrere Nächte hintereinander in die Becken ein und entwendete jeweils einen Blei (von immerhin 2-3 Kilogramm Gewicht) und mehrere Schleie. Außerdem wurden einige in den Aquarien verbliebene Fische geschädigt. Flossenteile wurden heraus gebissen und Wunden mit den Krallen zugefügt. Sogar vor einem etwa 1,20 Meter langen Stör machte der Otter keinen Halt! Diesen packte er am Schwanz und versuchte ihn offensichtlich so aus dem Wasser zu ziehen. Nur die Größe des Tieres bewahrte es davor, zur Beute zu werden, von den Schäden an Schwanzflosse und Körper ist es aber langfristig gezeichnet.

Diese Vorgehensweise des Fischotters deutete zweifellos darauf hin, dass auf Grund des harten Winters, und der damit verbundenen Nahrungsknappheit ein enormer Fressdruck bestand. In den natürlichen Gewässern fanden die Otter auf Grund der langen und nahezu vollständigen Eisbedeckung kaum noch Nahrung. Das scheue und besonders vorsichtige Verhalten, was für Fischotter sonst üblich ist, war dem Überlebenskampf gewichen. Ohne Nahrung drohte dem Tier der Tod und so war offensichtlich jedes Mittel recht, um an Beute zu gelangen.

Um den größten Teil der Fische in den Aquarien zu retten, die Schauaquarien in ihrer Funktion aber zu belassen, wurde ein zusätzlicher Maschendrahtzaun gespannt. Auch ein Futterplatz, außerhalb der Außenaquarien, war für den Otter eingerichtet worden. Jeden Abend wurde ein größerer Fisch, welcher bereits vor längerer Zeit verendet aber durch das Einfrieren noch frisch war, aufgetaut und an den Futterplatz verbracht.

Der Fischotter nahm sich in den darauf folgenden Nächten diesen Fisch, aber das Eindringen und Räubern in den Aquarien hielt weiterhin an. Noch mehrere Male war es dem Otter gelungen, durch kleinste Lücken des Maschendrahtzaunes zu schlüpfen. Um mit seiner Beute dort durch zu gelangen, suchte er sich kleinere und vor allem schmalere Beutefische aus. Sogar Steine wurden beim unterkriechen des Zaunes bei Seite geschoben.

So blieb festzustellen, dass ein Eingriff in die Kreisläufe der Natur doch nur bedingt möglich ist, und die Natur, ungeachtet jeglicher Interessen, immer wieder Einfluss nimmt.

Einerseits stand der Frust, lange und mühsam eingewöhnte Fische verloren zu haben, und somit für einige Zeit in den Außenaquarien auch eine geringere Schauqualität zu bieten, andererseits hatten man dazu beigetragen (wenn auch nicht ganz freiwillig) mindestens einen Fischotter über den ungewöhnlich harten Winter zu bringen. Diese Freude linderte den Frust auf jeden Fall.

Foto: dreafrei/Flickr CC-Lizenz

Zwei Sonderausstellungen eröffnen Museumsjahr

Fotoausstellung Fischland Darß  Zingst„Kleine Tiere ganz groß“ und „Die Halbinsel“, das sind die Titel der beiden neuen Sonderausstellungen, die in der ersten Februarwoche im MÜRITZEUM eröffnet werden konnten. Einheimischen und Gästen der Region wird damit, ergänzend zu den ständigen Ausstellungen, ein interessantes Freizeitangebot gemacht.

Wer sich gerade über ein Urlaubsziel für den Sommer nachdenkt, der lässt sich vielleicht durch die wunderbaren Naturbilder inspirieren, die der Tourismusverband Fischland – Darß – Zingst e.V. bis zum 5. April im „Haus der 1000 Seen“ zeigt. Mit der Fotoausstellung „Die Halbinsel des Fotografen Uwe Engler wird Neugier geweckt auf die mecklenburgische Ostseeküste mit ihren besonderen Naturschönheiten. Dabei betrachtet Uwe Engler die Natur am liebsten aus der Ameisenperspektive und macht auch vor keiner Wettereskapade halt. Stürmt oder regnet es, geht er in die Ostsee, wo unglaubliche Naturfotografien entstehen. Der Autodidakt Uwe Engler betrachtet seine Naturfotografien auch als Möglichkeit, den Umweltschutz zu unterstützen. Er zeigt Naturschönheiten, die es zu bewahren gilt und dokumentiert Veränderungen oder Schädigungen, die verhindert werden müssen.

Insektenmodelle in Übergröße 

Julia StoessEinen ganz besonderen Blick auf die Welt der kleinen Krabbeltiere bietet die neue Sonderausstellung im „Haus der Sammlungen“. Hier kann man „Kleine Tiere ganz groß“ erleben. Um ein Vielfaches vergrößert und wissenschaftlich exakt nachgebaut sind die Modelle heimischer Insekten, die von der Hamburger Diplom-Designerin Julia Stoess geschaffen wurden.

Die Ausstellung zeigt Vertreter von 8 verschiedenen Insektenarten, wie z.B. von einem Maikäfer, einer Zikade oder einer Mücke. Sie sind naturgetreu bis zum letzten Härchen und zur kleinsten Borste nachgestaltet. Mit dem bloßen Auge erkennt man, was sonst erst durch eine Lupe oder ein Mikroskop sichtbar würde: riesige Komplexaugen, mächtige Kieferzangen, beeindruckende Farben und Formen. Ein kurzer Filmclip vermittelt, wie diese Modelle entstehen.

Passend zum Thema ist eine kleine Fotoausstellung zu sehen. Die interessanten Insektenaufnahmen stammen von dem Hamburger Biologen und Naturfotografen Axel Jahn. Einblick in die Insektensammlung der Naturhistorischen Landessammlungen des MÜRITZEUMS gibt eine Sondervitrine in der Ausstellung. Bis zum 1. August können die mehrfach preisgekrönten Arbeiten von Julia Stoess im MÜRITZEUM besichtigt werden. Wer mehr über die Arbeit von Julia Stoess erfahren möchte, findet weitere Informationen unter www.insektenmodelle.de

Warener Wetterfrösche 

Am 14.12.2009 fand im Müritzeum die Gründungsveranstaltung der „Warener Wetterfrösche“ statt. Was sind die „Warener Wetterfrösche“? Interessierte Zweit- bis Achtklässler aus fünf Warener Schulen beschäftigen sich regelmäßig intensiv mit dem Warener Wetter. Dabei erheben die Klimaforscher Daten rund um das Klima, was nicht nur bedeutet die Temperatur abzulesen!

Mit der Gründung der „Warener Wetterfrösche“ sollen eine Kooperation und ein ständiger Austausch zwischen den einzelnen Schulen entstehen. Der Bereich Umweltbildung des Müritzeums unterstützt und berät die Wetterforscher bei ihren wissenschaftlichen Tätigkeiten.

Die wissbegierigen Mädchen und Jungen der Warener Schulen sowie die engagierten Lehrer werden in Zukunft die Tages-Wetter-Daten an den einzelnen Schulen kartieren und die Mitarbeiter des Müritzeums geben regelmäßig aktuelle Informationen und Hinweise.

Das Warener Projekt läuft im Zusammenhang mit GLOBE Germany. GLOBE (Global Learning and Observations to Benefit the Environment) ist ein internationales Umweltprojekt, das durch wissenschaftliches Forschen zum Schutz der Erde beitragen möchte. GLOBE bietet dafür vielfältige Anregungen und Handreichungen für die Beobachtungen und Messungen der Umwelt an. Engagierte Schüler, Lehrer und Wissenschaftler sind willkommen beim GLOBE Projekt mitzumachen. GLOBE Deutschland wurde bis Januar 2008 vom BMBF gefördert. Die „Warener Wetterfrösche“ stecken in den Kinderschuhen. Lesen Sie in den nächsten Ausgaben des Müritzeums Newsletter, wie sich das Projekt weiterentwickelt.