Geopark Mecklenburgische Eiszeitlandschaft - Eiskalte Spuren der Erdgeschichte

Kartoffelstein am Naturlehrpfad im MüritzeumDer UNESCO-Geopark Mecklenburgische Eiszeitlandschaft bietet in zahlreichen Orten des Landes aufschlussreiche Ausstellungen sowie Exkursionen durch Kiesgruben und Findlingsgärten. Mit seiner prominenten Gesteinssammlung und seinen naturhistorischen Ausstellungsbereichen gehört das Müritzeum zu den wichtigsten Aktionszentren des Parks.

Blaue Pracht und Miniberge in Mecklenburg-Vorpommern

Mit vielen Minibergen und ausnehmend viel Wasser - so empfängt Mecklenburg-Vorpommern seine Gäste. Gleich hinter der 1.700 Kilometer langen Ostseeküste ruhen über 2.000 Seen. Damit ist unser Bundesland das Zuhause für fast jeden dritten deutschen See. Dazu zählen auch einige der ganz Großen und solche mit beachtlichen Tiefen. Weit mehr als 20.000 Flusskilometer verbinden die blaue Pracht zu einem unüberschaubaren Labyrinth.

Die Eiszeit als Gestalter der Landschaft

Das blaue Paradies ist jedoch nicht nur ein Geschenk des Himmels, sondern auch der letzten Eiszeit. Vor rund 20.000 Jahren schoben in der Gegend mächtige Gletscher Lehm, Kalk, Sand, Kies und Geröll vor sich her und türmten sie zu runden Hügeln auf. Zwischen ihnen spülte das Schmelzwasser langgestreckte Senken und Rinnen aus. Manchmal sogar kleine Canyons. Übrig blieben die sanft gewellten Erhebungen, haufenweise Findlinge und viele Feldsteine. Sowie die blauen Chausseen und blinkenden Spiegel. Eine ausnehmend abwechslungsreiche und reizvolle Landschaft also.

Aktionszentren verbinden "Eiszeitroute"

Im fast 4.900 Quadratkilometer großen Geopark »Mecklenburgische Eiszeitlandschaft« verbindet eine Eiszeitroute verschiedene »coole« Aktionszentren. Darunter mehrere Findlingsgärten, die Strelitzer Eisstraße, den Malchower Kreidebezirk, den Eislehrpfad Tiefwaren und das Müritzeum. Hier erfahren Besucher Wissenswertes über die Entstehung der Landschaften, hier können sie seltene Bodenschätze und gut erhaltene Fossilien bestaunen. Bis zu 500 Millionen Jahre alt sind die außergewöhnlichen Reliquien. Bei geologischen Wanderungen können kleine wie große Entdecker unter kundiger Anleitung schließlich sogar selbst auf Schatzsuche gehen. Dieser Eiszeitgeopark könnte einst Teil eines Nordeuropäischen Verbundes werden, der Eiszeitroute Nordeuropa.

Einige dieser Exkursionen führen auch in einen Tagebau, in dem Sand, Kies, Kalk oder Ton gewonnen wird. Hier finden Geowissenschaftler und Hobbyforscher so genanntes Geschiebeinventar aus allen erdgeschichtlichen Epochen.

Riesenfindlinge, Hünengräber und Stadtmauern

Zum frostigen Erbe gehören darüber hinaus Mitbringsel von beachtlichen Ausmaßen. Der Big Boss unter Mecklenburg-Vorpommerns Findlingen ist der »Große Stein« am Altentreptower Klosterberg. Der Kawenzmann bringt es immerhin auf eine Bauchweite von 23 Metern und ein Volumen von 133 Kubikmetern. Dass der Granitblock so mitgenommen aussieht, kommt nicht von ungefähr. Schließlich hat ein Eisberg das Schwergewicht aus Skandinavien hierher geschleppt. Nun darf der alte Schwede pausieren und für die nächsten zehntausend Jahre als Naturdenkmal und Geotop bei uns bleiben.

Auch sein Landsmann, der »Riesenstein« an der Lindetaler Papiermühle bei Neubrandenburg, ist ein Hingucker. Der Koloss, der auch als »König der Jahrhunderte« bezeichnet wird, weist an der Oberfläche Opferschälchen auf, die der Volksmund als »Elfenmühlen« bezeichnet. Sie künden davon, dass die hartleibigen Giganten schon die Phantasie früherer Kulturen anregten. Gelegentlich dienten die überirdischen Klunkern wohl kultischen Zwecken. Und oft ranken sich Sagen und Schauermärchen um die stummen Riesen. Spätestens wenn sie zu rätselhaften Hünengräbern aufgetürmt wurden.

Viele weniger gewaltige Exemplare fanden im Mittelalter Eingang in die Fundamente der großen Backsteinkathedralen und der kleinen Dorfkirchen. Mancherorts wurde die Gottesburg sogar zu großen Teilen aus Feldsteinen errichtet. Aber auch bei Scheunen und Einfriedungen fanden sie Verwendung. Paradebeispiel dafür ist die vollständig erhaltene Stadtmauer von Neubrandenburg. Sie entzückt nicht nur Architekturfreunde, sondern auch Geologen. Denn sie vereint gut sichtbar eine schier überschaubare Fülle verschiedener Gesteine, die alle aus dem Land der Elche stammen und samt und sonders per Eisfracht hierher kamen.