Was sind Feuersteine?

fire stone chertEinheimische und Urlauber kommen oft ins MÜRITZEUM und fragen nach dem hier sehr häufig zu findenden Feuerstein. Es gibt aber nicht den Feuerstein, sondern Feuersteine, die sich sowohl in Form und Farbe als auch im Alter unterscheiden. Vor allem sind also die Entstehungsbedingungen, Alter, Vorkommen und das doch sehr unterschiedliche Aussehen interessant für die Fragesteller.

Darüber hinaus spielten und spielen gerade Feuersteine eine wichtige Rolle im Volksglauben der Menschen. Neben dem charakteristischen Schwarzen Feuerstein gibt es den Violett - Gelb gerindeten, den Grün gerindeten, den Gelben, den Weißen und den Gebänderten Feuerstein. Da der Schwarze Feuerstein (Abb.1) das häufigste Sedimentärgestein im norddeutschen Vereisungsgebiet ist, folgt hier ein kurzer

Gesteins – Steckbrief

Herkunft: Dänemark, Schonen (Schweden), Ostseebecken und Norddeutschland

Alter: 72 - 65 Millionen Jahre (Obere Kreide)

Entstehung und Vorkommen: Das kieselsäurehaltige Gestein wurde im Meer der Schreibkreide gebildet. Lieferant der für die Feuersteinbildung benötigten Kieselsäure waren Schalen von Kieselalgen, Kieselskelette der Strahlentierchen sowie Überreste größerer Meeresorganismen, wie z. B. von Kieselschwämmen. Die kieseligen Substanzen wurden über einen langen Zeitraum aufgelöst und gelangten als kieselsäurehaltige Lösungen in tiefere Meeresbodenbereiche. Durch Ausfällung aus diesen Lösungen entstanden dann über lange Zeiträume die uns bekannten Feuersteinknollen.

Diese Knollen lassen sich in Bändern in den Kreideablagerungen erkennen oder, sie kommen isoliert an den Stränden der Nord- und Ostsee sowie als Zeugen eiszeitlicher Vergangenheit auch im Binnenland vor. Zur Entstehung der Feuersteine, insbesondere die Lösung der kieselsäurehaltigen Substanzen und die Ausfällung aus den Lösungen  im kalkigen Meeresboden, gibt es in der Literatur Diskussionen.

Wissenswertes: Bereits im 18. Jahrhundert spielten Feuersteine bei Versuchen zur Klärung der Landschaftsentstehung eine Rolle. Die durch Kartierung belegte Feuersteinlinie stellt die südlichste Grenze der nordischen Vereisungen dar.

Feuersteine können sehr fossilreich sein. Vor allem sind Seeigel, Muscheln, Schwämme, Moostierchen und Korallen zu finden. Wegen der großen Verletzungsgefahr und der Brüchigkeit kann man die oft zahlreichen Fossilien jedoch nicht aus dem Feuerstein „heraus präparieren“.

Die kulturgeschichtliche Nutzung der Gesteine begann bereits mit der Besiedlung dieser Region vor ca. 10 000 Jahren v. Chr.. Davon zeugen Funde u. a. von  bearbeiteten Feuersteinen, wie z.B. Pfeilspitzen, Schaber, Stichel und Beile. Abschläge von Feuersteinen, so genannte Mikrolithen, dienten  als Schneideinsätze in Holz und Knochen.

Hühnergötter

„Feuersteine mit Loch“, so genannte Hühnergötter, haben im Volksglauben unterschiedliche Bedeutungen. So sollen sie einerseits die Legefreudigkeit der Hühner erhöhen oder wie man 1880 in der Zeitschrift für Ethnologie las, Krankheiten von Haustieren heilen: „Feuersteine mit natürlich gewachsenen Löchern erfreuen sich einer erhöhten Bedeutung. Solche Steine mit durchgehenden Löchern werden gegen Beulen und ‚Schwären’ dem Vieh umgehängt, bis das Uebel verschwindet. Haben sie es angezogen, so nimmt man es ab.“ (Schulenburg, W. v.: Die Steine im Volksglauben des Spreewälders)

Für uns Menschen ist ein gefundener Hühnergott ein Glücksbringer. Die Freude, so einen Glücksstein selbst gefunden zu haben, rückt manchmal die Frage nach der Entstehung solche „Lochsteine“ in den Hintergrund. Diese Gesteine sind fast alles Zufallsbildungen. Ausnahme sind die Hühnergötter, die durch Organismen ihr „Lochmuster“ erhalten haben.

Literatur/Quellen:
Geowissenschaftlicher Verein Neubrandenburg e.V. (Hrsg.) (2003): Auf den Spuren der Eiszeit. – steffendruck.com., Friedland.
Priewe, G., Bummert, J. (2007): Hühnergötter. Glückssteine vom Strand. – Hinstorff Verlag GmbH, Rostock.
Reinicke, R. (2009): Feuersteine. Hühnergötter. – Demmler Verlag GmbH, Schwerin.
Rudolph, F. (2006): Strandsteine. Sammeln und Bestimmen. – Wachholtz Verlag, Neumünster.
Rudolph, F. (2008): noch mehr Strandsteine. Sammeln und Bestimmen an Nord- und Ostsee. – Wachholtz Verlag, Neumünster.