Emausaurus ernsti – Norddeutschlands Dinosaurier

Saurier aus Mecklenburg-VorpommernObwohl nicht zahlreich, so können wir auch in Mecklenburg-Vorpommern einen Dinosaurier unser eigen nennen. Der bereits 1963 in einer Tongrube nahe Grimmen gefundene Emausaurus ernsti ist einer der seltenen Saurierfunde, die bisher in Norddeutschland gemacht wurden. Neben diesem Fund sind bisher nur zwei weitere Belege aus dem Oberen Lias bekannt – aus der Umgebung von Hamburg und aus Holzmaden.

Spektakulärer Saurierfund in Norddeutschland

Entdeckt wurde  Emausaurus ernsti vom damaligen Greifswalder Geologie-Studenten Werner Ernst in der östlich von Klein Lehmhagen bei Grimmen angelegten Tongrube, die zum Abbau von Blähton diente. Der Ton stammt aus einem jurassischen Schollenschwarm (Oberer Lias - Toarcium, ca. 180 Mio. Jahre). „Wir fanden außer Ammoniten-Bruchstücken auch einige jener bekannten dunkelgrauen Kalkstein–Geoden, welche dieses Vorkommen später auch überregional bekannt machen sollten.“ (Ernst, 2009).

Der Arbeiter Werner Wollin, der ständig im Grubengelände beschäftigt war, zeigte 1963 dem sich dort häufig wegen seines Diplomarbeitsthemas aufhaltenden Werner Ernst seine gesammelten Fossilien. Darunter befand sich auch eine Kalkgeode (Siemensi-Geode = benannt nach dem Ammoniten Lytoceras simensi). Diese ließ nach Säuberung zweifelsfrei einen Saurierschädel und einige postcraniale Skelettreste erkennen. Neben diesem Sensationsfund wurden während des Tonabbaus die relativ häufig auftretenden Kalkgeoden mit Ammoniten, Fisch-, Muschelresten und Pflanzenhäcksel gefunden.

1995 berichtete Zessin über weitere Saurierknochenfunde aus der Tongrube bei Grimmen. Es handelt sich hier um Plesio-, Ichthyo- sowie Mosasaurier-Überreste.

Ein Name für den neuen Dinosaurier

Der Name des Emausaurus ernsti, einem primitiven Vertreter der Thyreophora (gepanzerte Dinosaurier), die zu den Vogelbecken-Dinosauriern (Ornithischia) gehören und reine Pflanzenfresser waren, lässt sich aus dem ersten Bearbeitungs- und noch heutigem Aufbewahrungsort – der Ernst-Moritz-Andt-Universität – sowie seinem Entdecker, dem langjährigen Mitarbeiter des Geologischen Institutes der Universität Greifswald, Dr. Werner Ernst, herleiten.

Nach der ersten Bearbeitung in Greifswald durch Wehrli und Ernst (Präparation) gelangte das Sauriermaterial 1979 nach dem Tod von Wehrli in die Obhut von Nestler, der es dann 1988 zur weiteren wissenschaftlichen Bearbeitung an den Wirbeltierpaläontologen Hartmut Haubold (Halle/Saale) übergab. 1990 veröffentlichte der bekannte Fachmann seine Publikation zu Emausaurus ernsti.

Merkmale von Emausaurus ernsti

Da neben dem Schädel nur wenige Skelettteile vorhanden sind, ist eine Gesamtrekonstruktion von Emausaurus ernsti kritisch zu betrachten. Mit relativer Sicherheit ist die quadrupede Fortbewegung des Dinosauriers nachweisbar. Die gute Erhaltung des Schädels einschließlich der Bezahnung lässt auf eine herbivore Ernährungsweise schließen. Emausaurus hatte eine Größe von ca. 2m.

Das Vorkommen des Saurier-Schädels und der Knochen in der Kalkgeode lassen Rückschlüsse auf die Todesursache und die Art der Einbettung zu. Nach Ernst  könnte ein Meeresreptil Emausaurus in Küstennähe gefressen haben; die Knochen gab es als Speiballen weiter im Meer frei. Emausaurus hat also vor allem für die Phylogenese der Dinosaurier eine große Bedeutung.

Zahn der Zeit nagt an Emausaurus ernsti

Wie in unterschiedlichen Medien im April 2009 berichtet wurde, löst der schlechte Erhaltungszustand des wertvollsten Beleges der Paläontologischen Sammlungen der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald große Besorgnis aus. Grund  dafür sind die aus heutiger Sicht falschen Präparations- und Konservierungsmethoden. Zum damaligen Zeit waren alternativen Behandlungsmethoden jedoch nicht bekannt.

Knochenproben wurden nun inzwischen in ein Speziallabor nach Erfurt (Thüringen) geschickt, um mit Hilfe einer Massenspektralanalyse die für den Zerfall zuständigen Substanzen zu bestimmen. Danach kann eine neue Präparation/Konservierung beginnen. Für eine sachgemäße Lagerung soll danach eine  luftfreie mit Stickstoff bedampfte Box sorgen.

Abbildungen

 Das Foto vom Gemälde des Emausaurus-Schädels wurde dem Müritzeum freundlichersität Greifswald zur Verfügung gestellt. Besitzer des Gemäldes ist die Gesellschaft für Geschiebekunde e.V..