Zierliche Tellerschnecke - Weichtier des Jahres 2011

MolluskenEin Kuratorium aus Fachwissenschaftlern der "Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft" hat die Zierliche Tellerschnecke Anisus vorticulus (Troschel, 1834) zum Weichtier des Jahres 2011 gewählt. Die kleine unauffällige Süßwasserschnecke ist ein Vertreter aus der Familie der Tellerschnecken. Deutschlandweit gehören zu dieser Familie 24 Arten, in Mecklenburg-Vorpommern wurden im Freiland 18 Arten nachgewiesen. Weitere 4 Arten, die aus anderen Regionen der Erde stammen, fand man gelegentlich in Gewächshäusern.

Wie es der Name bereits sagt, hat die Zierliche Tellerschnecke ein flaches tellerförmiges Gehäuse, das aus 5 - 6 links gewundenen Umgängen gebildet wird. Mit ca. 4 - 5 mm Breite und einer Höhe von 0,5 bis 0,8 mm sind die adulten Tiere leicht mit Jungtieren anderer Tellerschnecken zu verwechseln.

Die Farbe des Gehäuses ist hell bräunlich oder gelblich. Der meist dunkel- bis hellgrau gefärbte Weichkörper lässt das lebende Tier insgesamt dunkler erscheinen. Das auf den ersten Blick glatt erscheinende Gehäuse zeigt unter dem Mikroskop eine feine Spiralstreifung. Der letzte Umgang des Kalkgehäuses hat mittig eine stumpfe Schulterkante, die häufig durch einen schwachen Hautsaum, gebildet aus der organischen Schalenhaut (Periostrakum), verstärkt wird. Seen und Flussauen sind die natürlichen Lebensräume der kleinen Tellerschnecken. Hier besiedeln sie den Röhrichtgürtel, wasserpflanzenreiche Altwässer oder Verlandungsbereiche. Vermutlich sind sie Nahrungsspezialisten, die von mikroskopisch kleinen Algen leben, welche auf lebenden und abgestorbenen Pflanzenteilen aufwachsen.

Die frühesten Funde der Zierlichen Tellerschnecke in Mecklenburg stammen aus dem Jahr 1912 und beziehen sich auf einen Nachweis der Art im Schweriner See. Anisus vorticulus gehört heute zu den seltensten Molluskenarten in Mecklenburg-Vorpommern und wurde in der Roten Liste Deutschlands sowie Mecklenburg- Vorpommerns in die Kategorie "Vom Aussterben bedroht" eingestuft. In der Molluskensammlung der Naturhistorischen Landessammlungen im MÜRITZEUM gibt es 8 Belege dieser seltenen heimischen Schnecke. Sie stammen alle aus der Müritzregion: Ostufer der Müritz (1954), Drewitzer See (1985) und Krummer See (1996).

Die Erhaltung der wenigen Vorkommen dieser Schneckenart kann nur gelingen, wenn ihr Lebensraum geschützt wird. Vom Schutz der ungestörten und naturnahen Uferzonen profitieren dann auch zahlreiche andere Molluskenarten, die hier als Begleitarten der Zierlichen Tellerschnecke vorkommen.