Welcher frische Fisch sollte auf den Tisch?

Fisch als Nahrungsmittel besitzt global eine herausragende Bedeutung.

RäucherfischIn Europa steigt die Nachfrage nach Fisch stetig. Die wachsende Weltbevölkerung einerseits und die drastische Reduzierung der Fischbestände in den Weltmeeren, aber auch in vielen Binnengewässern, andererseits, stehen dabei in einem immer größer werdenden Missverhältnis. Seit Jahren wird nach Lösungen gesucht, diesem Missverhältnis entgegenzutreten.

Neben Fangbeschränkungen und Fangverboten, welche zur Erholung der natürlichen Fischbestände beitragen, kommt dem Aussetzen von Jungfischen in die natürlichen Gewässer, welche durch künstliche Vermehrung erzeugt werden, eine große Bedeutung zu.

mittelmeerDer wichtigste Schritt zum Erhalt der natürlichen Fischbestände, bei gleichzeitig steigendem Bedarf als Nahrungsmittel, ist jedoch eine rasante Verbreitung und Weiterentwicklung künstlicher Aquakulturanlagen. Unabhängig von den natürlichen Gewässern und Fischbeständen könnte der zunehmende Bedarf so gedeckt werden.

Jedoch zeigen viele aktuelle Beispiele, dass es auf Grund von wirtschaftlichen Interessen, aber auch aus falscher Kenntnis heraus zu vielen Fehlentwicklungen kommt. Eine von den natürlichen Gewässern unabhängige Fischproduktion ist nur dann sinnvoll, wenn auch die wenigen verbliebenen Ressourcen der Weltmeere davon unberührt bleiben! Leider ist das aber häufig nicht der Fall.

Die Pangasius-Lüge

In vielen Fällen wird verschwiegen, dass eine indirekte Nutzung der natürlichen Fischbestände für eine "unabhängige" Fischproduktion erfolgt. Hierbei ist die Fütterung der entscheidende Punkt. Für die Herstellung von künstlichem Fischfutter, welches für das Aufziehen vieler Fischarten in den Aquakulturanlagen benötigt wird, werden große Mengen Fischmehl verarbeitet. Dieses Fischmehl bekommt man jedoch nur durch das Befischen der Weltmeere. Häufig wird das Fischen zum Zweck der Fischfutterherstellung verschwiegen oder es wird, wie unlängst in einem Beitrag der ARD mit dem Titel "Die Pangasius-Lüge" gezeigt, illegal vorgenommen. Dabei spielt es dann keine Rolle, welche Arten und welche Größen von Fischen gefangen werden – Hauptsache die benötigte Tonnage an Fischeiweiß für die Futtermittelherstellung ist an Bord. Solches Vorgehen ist für eine Erholung der natürlichen Fischbestände kontraproduktiv und auf das Schärfste zu verurteilen!

Eine große Verantwortung für das Aufkommen solcher Fehlentwicklungen trägt auch die Verbraucherpolitik. Das fertige Produkt Fisch als Billigstimport ist genauer zu hinterfragen. Die gezielte Einflussnahme auf den Verbraucher, durch das suggerieren von umweltschonenden Produktionsmethoden bei bestimmten Fischarten, ist nur dann richtig, wenn es auch den Tatsachen entspricht. Das Problem der Notwendigkeit von Fischeiweiß im künstlichen Fischfutter besteht auch nicht nur in fernen asiatischen Ländern.

Massenprodukt Lachs

Besonders aktuell in Europa ist die drastische Produktionserhöhung von Lachs in Farmen. Dadurch ist zunächst eine Schonung der ohnehin rückläufigen natürlichen Lachsbestände gegeben, aber gerade beim Lachs wird ein hoher Fischmehlanteil im künstlichen Futter benötigt. Mehrere Kilogramm Seefisch müssen gefangen und zu Fischmehl verarbeitet werden, um ein Kilogramm Lachs, mit Hilfe des daraus produzierten Futters, herzustellen! Trotz intensiver Forschungen ist es bisher nicht gelungen, einen ausreichend geeigneten Ersatzstoff für das Fischmehl zu finden. Gerade beim Lachs kommt daher, auch in Deutschland, eine verfehlte Verbraucherpolitik zum Tragen.

Lachs wird als das gesunde und einzigartige Nahrungsmittel propagiert. Was früher noch viel Geld kostete und nur wenigen zugute kam, kann heute nahezu jeder für weniger Geld in den Supermärkten kaufen. Über die Umweltsünde, die bei der Massenproduktion von Lachs begangen wird, erfährt der Verbraucher kaum etwas.

Dabei gibt es Möglichkeiten, den dringend benötigten Weg der Fischproduktion in Aquakulturanlagen richtig einzuschlagen. Es kommt auf den Einsatz der richtigen Fischarten an! Grundsätzlich sind zum Teil räuberisch lebende Fischarten, wie Pangasiuswels oder Lachs, aus ökologischer Sicht ungeeignet, weil sie naturgemäß einen hohen Anteil Fischeiweiß benötigen. Dabei dürfen positive Eigenschaften dieser Arten, welche bei der künstlichen Aufzucht genutzt werden, wie ein schnelles Wachstum oder besondere Unempfindlichkeiten, nicht darüber hinwegtäuschen.

Heimische Fische als Alternative

carpEinige so genannte Friedfischarten, welche teilweise bereits seit Jahrhunderten eine  Bedeutung als Speisefische haben, sind geeigneter. Ideal ist der Karpfen! Warum ist nicht er es, welcher in enormen Mengen gezogen und dem menschlichen Verzehr zugeführt wird? Keine andere Fischart weltweit ist über einen langen Zeitraum so intensiv gezüchtet und in seinem Habitus den menschlichen Vorstellungen von einem idealen Speisefisch angepasst worden, wie der Karpfen. Karpfenzuchten in Teichen haben eine lange Tradition.

Gemeinsam geht es besserEine intensive Haltung ist vorwiegend mit pflanzlichen Futtermitteln möglich. Die dabei verwendete Vielfalt lässt auch bei größeren Futtermengen keine Notwendigkeiten für Monokulturen aufkommen. Selbst ein zusätzlicher Einsatz von künstlichen Futtermitteln würde, auf Grund einer anderen Futterzusammensetzung, den Bedarf von Fischmehl auf ein Minimum reduzieren.

Der bequeme Verbraucher

Auch hier kommt der Verbraucherpolitik wieder eine entscheidende Bedeutung zu. Ein umfassendes Marketing, welches an alte Bräuche und Traditionen, wie dem Weihnachts - oder Silvesterkarpfen, anknüpft, könnte die Bedeutung und Akzeptanz dieser Fischart in der Bevölkerung ebenso steigern, wie umfassende Informationen zu den ökologischen Aspekten, im Vergleich mit anderen Fischarten.

Dabei darf auch keine Rücksicht auf eingeschliffene "Verbraucherbequemlichkeiten" genommen werden. Ein Fisch der relativ grätenfrei und leicht zu verarbeiten ist, kann eben nicht automatisch das beste Produkt sein. Die Möglichkeiten der schmackhaften Zubereitung, welche vielen potentiellen Verbrauchern unbekannt sind, müssen publik gemacht werden. In diesem Zusammenhang können auch bisher nahezu ungenutzte Weißfischarten der Binnengewässer, welche ernährungsphysiologisch nicht weniger bedeutsam sind, mit einbezogen werden.

Trotz der globalen Fischknappheit müssen die Fischer den Binnengewässern Deutschlands jährlich hunderte Tonnen hochwertiger Weißfische entnehmen und kostenpflichtig entsorgen, nur, weil diese Arten der Bevölkerung als Speisefische nicht bekannt sind und ein Verkauf daher kaum möglich ist.