Der Stör - Fisch des Jahres 2014

Lebende Fossilien

Störe sind lebende Fossilien. Ihre Vorfahren, welche sich nur wenig von den heutigen Vertretern unterschieden, lebten bereits vor ca. 200 Millionen Jahren.

Mehr als 20 Störarten gibt es weltweit.

Störe (Acipenseridae) gehören zu den Knochenfischen (Osteichthyes), stellen aber als so genannte Knorpelganoiden (Chondrostei) gewissermaßen einen Übergang von den Knorpelfischen (Chondrichthyes) zu den Echten Knochenfischen (Teleostei) dar. Einerseits besitzen sie ein Knorpelskelett, andererseits aber auch Knochenplatten.

Unter den Stören finden sich die größten Süßwasserfische der Erde. Der Hausen (Huso huso) kann eine Länge von 8 Metern erreichen und dann bis zu 2 Tonnen schwer werden.  

 

Größe und Aussehen 

Mit einigen Ausnahmen, wie Löffelstör oder Schaufelstör, sehen sich die Störarten sehr ähnlich. Da die Färbung sowie die Schnauzenform auch innerhalb der Arten variiert, werden Unterscheidungen zusätzlich erschwert. Dennoch sind die Schnauzenform, die Anordnung der Knochenplatten, die Farbgebung und die Beschaffenheit der Bartfäden die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale.

Störe haben allgemein einen relativ runden und lang gestreckten Körper mit einer spitz ausgezogenen Schnauze. Die unvollständige Körperbedeckung besteht aus freiliegenden, in fünf Reihen angeordneten Knochenplatten. Eine Reihe dieser Knochenschilder verläuft entlang des Rückens, eine jeweils entlang der Seitenlinien und eine jeweils entlang beider Bauchkanten, so dass der Körper fünfeckig erscheint. Die Schwanzflosse der Störe ist ungleichmäßig (heterocerk). Die Wirbelsäule verläuft im oberen Teil der Schwanzflosse weiter, der untere Teil der Flosse ist wesentlich kürzer. Dieses gibt den Stören oft ein haiähnliches Aussehen. An der Unterseite des Kopfes befindet sich ein zahnloses Maul mit wulstigen Lippen, welches wie ein Saugrohr vorgestülpt werden kann. Vor dem Maul stehen in einer Reihe vier Bartfäden, die mit zahlreichen Tast- und Geschmackszellen ausgestattet sind. Der Körper ist meist am Rücken dunkelbraun bis grauschwarz, an den Seiten heller und am Bauch gelblich bis weiß gefärbt.

 

Lebensweise

Die meisten Störarten sind Wanderfische. Den größten Teil ihres Lebens verbringen sie im Meer oder im Brackwasser und steigen zum Laichen in die Flüsse auf (anadrome Wanderung). Nach dem Laichen verweilen die Elterntiere oftmals lange Zeit im Süßwasser, bevor sie wieder ins Meer oder Brackwasser zurückwandern. Einige wenige Störarten sind reine Süßwasserfische. Diese suchen zum Laichen, Fressen und Überwintern verschiedene Abschnitte des jeweiligen Flusssystems auf. Es gibt auch Wanderstörarten, welche vereinzelt Süßwasserpopulationen herausgebildet haben.

Störe erreichen ihre Geschlechtsreife erst sehr spät. Besonders die Weibchen (Rogener) der großen Störarten benötigen oft 15 bis 20 Jahren, bis sie zum ersten Mal ablaichen können. Die Männchen (Milchner) sind nach etwa 10 Jahren geschlechtsreif. Durchschnittlich 4 bis 5 Mal ist es einem Stör möglich an der Vermehrung teilzunehmen, vorausgesetzt er erlebt diese lange Zeit. Das Alter kann nämlich, je nach Art, 30 bis 120 Jahre betragen.

Die Nahrung der Störe besteht aus Insektenlarven, Würmern, Schnecken, Muscheln, Krebstieren und kleinen Fischen. Jungfische ernähren sich hauptsächlich von Zooplankton. Die Nahrungsaufnahme erfolgt durch Einsaugen der Nährtiere.

 

Gefährdungen

Sämtliche Störarten sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht!

Die Ursachen sind Gewässerverbauungen, Gewässerverschmutzungen und die gnadenlose Jagd nach Störfleisch und Kaviar.

Noch vor 100 Jahren waren die Atlantischen Störe Acipenser sturio und Acipenser oxyrinchus wichtige Wirtschaftsfische in den Flüssen Norddeutschlands. In Hamburg gab es zur Vermarktung der Störe sogar eigens errichtete Störauktionshallen.

Mit bis zu 6 Metern Länge und 600 Kilogramm Gewicht war Acipenser sturio die größte heimische Fischart.

Auf Grund von Restvorkommen von Acipenser sturio, an der westeuropäischen Küste, sowie Populationen von Acipenser oxyrinchus  an der Ostküste Kanadas, besteht noch Hoffnung, dass diese Arten nicht global aussterben.

Während in Deutschland eine lang andauernde Überfischung die Hauptursache für das Aussterben der Arten war, ist in Asien vor allem die gnadenlose Jagd nach dem Kaviar für den drastischen Rückgang der Großstörbestände verantwortlich. Kaviar sind gesalzene Eier (Rogen) der weiblichen Störe. Er gilt als hochpreisige Delikatesse. Durch illegalen Handel mit Kaviar werden ähnlich hohe Preise erzielt, wie mit dem illegalen Drogenhandel. Trotz internationaler Schutzmaßnahmen verringern sich die Bestände weiter. Der illegale Fang, die Tötung und der Verkauf der Störe ist oft leicht und schnell verdientes Geld, für viele Menschen aber auch die einzige Existenzgrundlage, denn in den meisten asiatischen Ländern herrschen schlechte soziale Verhältnisse.

Um die verbliebenen Störbestände wirkungsvoll zu schützen wird seit einigen Jahren versucht, künstliche Störzucht zum Zweck der Kaviargewinnung zu betreiben. Die hohe Kaviarnachfrage, gerade auch in Westeuropa, soll somit weitgehend gedeckt werden. Leider wurden bisher nur geringe Erfolge bei der künstlichen Kaviarproduktion erzielt. Einerseits gibt es geringfügige, qualitative Unterschiede zum Kaviar von Wildfischen, andererseits sind aber auch nur wenige finanzkräftige Kaviarkunden bereit, zum Schutz der Störbestände auf Wildkaviar zu verzichten. Wildkaviar ist leider noch immer ein Prestigeobjekt.

Dabei gibt es die unterschiedlichsten, wohlschmeckenden Formen von Kaviarersatz. Hierbei wird der Rogen anderer, nicht gefährdeter Fischarten verarbeitet. Der so genannte Deutsche Kaviar, welcher für wenige Euro in vielen Einkaufsmärkten zu bekommen ist, stammt beispielsweise vom Seehasen, eine Fischart, welche in Nord- und Ostsee reichlich vorhanden ist. Das Geschmacksempfinden eines durchschnittlichen Bürgers vermag kaum einen Unterschied zum echten Wildkaviar festzustellen.

 

Verbreitung

Bis vor einigen Jahren ist man davon ausgegangen, dass Acipenser sturio im gesamtdeutschen Raum, also Nord- und Ostseeeinzugsgebiet heimisch war. Dieses ist für einen länger zurückliegenden Zeitraum auch weiterhin gültig. Gentechnische Untersuchungen an Museumspräparaten unterschiedlicher Herkunft brachten 1996 bei einem Abgleich jedoch die überraschende Feststellung, dass die letzten Ostseestöre nicht mit den einst vorkommenden Stören identisch waren, sondern dem Amerikanisch Atlantischen Stör Acipenser oxyrinchus entsprachen.

Somit gab es zwei ursprünglich heimische Störarten, wobei sich für Deutschland, in den letzten Jahrhunderten, Acipenser sturio nur noch auf das Nordseeeinzugsgebiet und Acipenser oxyrinchus auf das Ostseeeinzugsgebiet  beschränkte. Überschneidungen beider Arten gab es wahrscheinlich nur in wenigen Gebieten, zwischen Nord- und Ostsee.       

Um den Ostseestör wieder einzubürgern, ist ein Nachzuchtprogramm zur Wiederansiedlung erstellt worden. Einige Laichstöre aus dem ostkanadischen St. John River, welche genetisch den letzten Ostseestören entsprechen, wurden hierfür 2005 mit dem Flugzeug nach Deutschland gebracht. Die Arbeiten zur Umsetzung des Nachzuchtprogramms werden, im Rahmen des Gesamtvorhabens, vornehmlich am Leibnitz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Berlin und an der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg/Vorpommern unter anderen in Kooperation mit Fisch und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern e.V. durchgeführt. Die Koordination der Arbeiten der beteiligten Institutionen erfolgt durch die Gesellschaft zur Rettung des Störs e. V. mit Sitz in Rostock.

 

Störe im Müritzeum

Das Aquarium des Müritzeums zeigt 4 der weltweit über 20 Störarten.

Da Störe ein hohes Alter und eine beachtliche Endgröße erreichen, handelt es sich, mit einer Ausnahme, um halbwüchsige Tiere. Einige haben bereits eine Länge von ca. 1,20 Meter erreicht.

Eine Besonderheit ist zweifellos der Amerikanisch Atlantische Stör (Acipenser oxyrinchus), welcher in Bezug auf die letzten Jahrhunderte auch als Ostseestör gilt. Auf Grund seiner Seltenheit und seiner hohen Ansprüche an die Haltungsbedingungen wird dieser bisher nur in zwei Einrichtungen Deutschlands der Öffentlichkeit zur Schau gestellt.

In einem stark durchströmten Becken mit etwa 12 Kubikmeter Wasserinhalt, welches den Mündungsbereich eines Flusslaufes charakterisiert, ziehen 4 Exemplare der im Ostseeraum und damit auch in Mecklenburg/Vorpommern ursprünglich heimischen Störart ihre Runden. Neben ausgewachsenen Meerforellen, Zährten und Zopen wird in diesem Aquarium auch eine zweite Störart, der Sterlet, gezeigt. Da der Sterlet  eine kleine Störart ist, befindet sich unter den Tieren, mit etwa 1,20 Länge, auch ein ausgewachsenes Exemplar. Eine Besonderheit dieser Störart ist, dass es sich um die einzige typische Süßwasserstörart handelt. Ein Sterlet verbleibt ausschließlich im Süßwasser und unternimmt seine Laichwanderungen innerhalb eines Flusssystems. Auf Grund dieser Eigenschaft ist die Aquarienhaltung besonders gut und dauerhaft möglich. Obwohl der Sterlet keine heimische Störart ist, hatte man schon vor Jahrzehnten vergebens versucht, diese Art, durch Besatzmaßnahmen, in Deutschland einzubürgern.

Zwei weitere Störarten, der Sibirische Stör (Acipenser baeri) und der Russische Stör (Acipenser gueldenstaedti), auch Waxdick genannt, werden in einem Außenaquarium, zusammen mit großen Karpfen und anderen Fischarten, gezeigt. Dieses Aquarium hat etwa 25 Kubikmeter Wasserinhalt und stellt thematisch einen künstlich angelegten Teich zur Fischhaltung dar. Sämtliche Fischarten, welche in dem Becken schwimmen, so auch die beiden Störarten, sind eingebürgerte Fischarten, welche aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland gelangten. So wurden Russische und Sibirische Störe, in den neunziger Jahren, zur Aufzucht als Speisefische, in viele Teiche und Aquakulturanlagen Mecklenburg/Vorpommerns gesetzt.  

 

 

M. Kastner