Nachahmer erfolgreicher Vorbilder: Schwebfliegen (Syrphidae)

MistbieneInsekten begegnen uns zu jeder Jahreszeit, aber besonders im Sommer zeigt sich ihre besondere Artenvielfalt. Faszinierend sind auch ihre Vielzahl an Formen, Farben oder auffälligen Musterungen. Wer kennt sie nicht, die Wespen, deren Völker im Spätsommer eine so große Zahl erreichen, dass wir sie auf unseren Kaffeetischen und in Backstuben als wahre Landplage erleben. Fast 20 Arten der Faltenwespen gibt es in Mitteleuropa. Ein gemeinsames Merkmal ist ihre schwarz-gelbe Warntracht. Wespen gehören durch ihren Giftstachel zu den wehrhaften Insekten, die es einem potentiellen Fressfeind schwer machen. Ihre Körperfärbung fand im Verlauf der Evolution zahlreiche Nachahmer, z.B. unter den Schwebfliegen, den Bockkäfern oder den Schmetterlingen.

Wie die Wespen besitzen sie einen in gelb-schwarzen Warnfarben gezeichneten Hinterleib oder Flügel und versuche so ihre Fressfeinde zu täuschen. Die Scheu vor warnfarbenen Tieren kann angeboren sein, muss aber in den meisten Fällen von den Verfolgern erst durch Erfahrung erworben werden. Eine Warntracht, auch Mimikry genannt, kann deshalb nur dann erfolgreich sein, wenn die Vorbilder in der Natur in großer Individuenzahl vorhanden sind.

Sehr erfolgreich in der täuschenden Nachahmung der wehrhaften Stachelträger sind die harmlosen Schwebfliegen (Syrphidae). Einige Arten erhielten deshalb auch die deutschen Namen Mist- oder Scheinbiene und Hummelfliege. Die kleinen 5 bis 10 mm großen Fliegen gehören zu einer Familie in der artenreichen Ordnung der Zweiflügler, zu der auch unsere Stubenfliege gehört. In Mitteleuropa wurden bisher ca. 390 Schwebfliegenarten nachgewiesen, weltweit wird sind es mehr als 4500 Arten. Wenn man Syrphiden auch aufgrund ihrer Körperfärbung unter Umständen mit Wespen oder Hummeln verwechseln könnte, so unterscheiden Sie sich doch in ihrem Flugverhalten deutlich von ihren Vorbildern. Dank einer enorm hohen Flügelschlagfrequenz haben sie die Fähigkeit, in der Luft „stehen zu können“. Bei Beunruhigung schießen sie so schnell nach der Seite, ja sogar nach hinten davon, dass ihnen das menschliche Auge kaum folgen kann.
Syrphiden gehören zu einer Gruppe von Fliegen, die bereits im Erdmittelalter entstanden sind, das zeigen 50 Millionen Jahre alte Funde aus dem Eozän, die ihren heutigen Verwandten bereits weitgehend gleichen. Im Gegensatz zu den Wespen, besitzen Schwebfliegen nur ein Paar meist glasklarer Flügel. Der Hinterleib ist bei größeren Arten meist deutlich abgeflacht. Wespen und Bienen besitzen im Gegensatz dazu zwei Paar Flügel und einen drehrunden Hinterleib.

Schwebfliegen spielen eine große Rolle im Naturhaushalt. Die adulten Insekten sind Blütenbestäuber. Vom zeitigen Frühjahr bis zum Spätherbst kann man sie auf Dolden- und Korbblütlern, Hahnenfußgewächsen, Kreuzblütlern, Nelken- und Rosengewächsen bei der Nahrungsaufnahme beobachten. Ähnlich den Bienen fliegen sie von Blüte zu Blüte um mit ihren leckend-saugenden Mundwerkzeugen Nektar und Pollen aufzunehmen. Viele Schwebfliegen sind blütenstetig und haben somit eine besonders große Bedeutung für die Erhaltung bestimmter Pflanzenarten.

Wie alle Insekten legen die Schwebfliegen Eier. Aus diesen schlüpfen nach wenigen Tagen beinlose, madenförmige Larven. In Abhängigkeit von ihrer Ernährungsweise findet man sie in den unterschiedlichsten Lebensräumen. In nährstoffreichen, meist schlammigen Gewässern leben die sogenannten „Rattenschwanzlarven“ als Filtrierer von Bakterien. In verrottendem Holz und faulenden Pflanzenabfällen oder gar Kuhmist leben die Abfall fressenden Larven und in lebenden Pflanzen die Pflanzenfresser. Einige wenige Arten entwickeln sich in Ameisen-, Wespen- und Hummelnestern. Sie ernähren sich dort in erster Linie von Abfällen am Nestboden. Nur gelegentlich gehen sie an die Brut. Die Larven der Blatt- oder Schildlausfresser leben auf oberirdischen Pflanzenteilen. Sie sind oftmals auffallend bunt gefärbt. Eine einzige Larve verzehrt im Verlauf ihrer Entwicklung bis zu 400 Pflanzenläuse. Mehrere Schwebfliegenlarven können so eine Blattlauskolonie stark dezimieren. Das macht man sich zu Nutze, indem man die Larven  für die biologische Schädlingsbekämpfung einsetzt.

Will man Schwebfliegen wirksam schützen, muss man sich wie bei vielen wirbellosen Tierarten vorrangig um den Schutz ihrer Lebensräume bemühen. Die Entwicklung strukturreicher Landschaften, der Erhalt und die Schaffung extensiv genutzter Flächen, der konsequente Schutz noch vorhandener Feuchtbiotope, die Erhaltung artenreicher Weg- und Feldränder, das alles schafft Voraussetzungen für eine artenreiche Tierwelt.

Mehr zu Insekten und vielen anderen Tierarten bietet unsere Ausstellung im Müritzeum.