Die Ringelnatter (Natrix natrix, L., 1758)

ring grass snakeZur Fauna Mecklenburg-Vorpommerns gehören nur drei Schlangenarten. Die seltene Schling- oder Glattnatter (Coronella austriaca, Laurenti, 1768), mit Fundnachweisen von der mecklenburgischen und vorpommerschen Ostseeküste, gehört in unserem Bundesland zu den vom Aussterben bedrohten Arten. Die zweite Art, die Kreuzotter (Vipera berus, L., 1758), kommt im gesamten norddeutschen Tiefland vor. Ihre Vorkommen sind dennoch stark gefährdet. Hauptursachen sind die Veränderungen ihrer Lebensräume, wie das Trockenlegen von Feuchtgebieten oder die intensive landwirtschaftliche Bodennutzung. Auch die Verfolgung durch den Menschen trägt zum Bestandsrückgang bei.

Die häufigste und am weitesten verbreitete heimische Schlange ist die Ringelnatter. Man findet sie im Wald, an Gewässerufern oder auf feuchten Wiesen. Ringelnattern können gut schwimmen. Auf der Suche nach Nahrung kann man sie in Tümpeln, ruhig fließenden Bächen oder am Seerändern beobachten. Durch ihre charakteristischen gelben oder weißlichen Halbmonde hinter dem Kopf sind sie gut zu erkennen. In der Färbung ihres Körpers können die mitteleuropäischen Tiere dagegen sehr variieren von aschgrau über graubraun bis schwarz. Ringelnattern können verhältnismäßig groß werden, Weibchen außerdem deutlich größer als die Männchen. Das größte in Mitteleuropa gefundene Exemplar war 180 cm lang. Die Männchen erreichen im Durchschnitt nur knapp 70 cm Körperlänge.

Schlangen sind Reptilien, deren Beine sich im Laufe der Evolution zurückgebildet haben. Sie haben eine kriechende Art der Fortbewegung entwickelt, die ihnen auch durch die Besonderheit ihrer Haut ermöglicht wird. Im Unterschied zur feucht-schleimigen Haut der Amphibien, besitzen Reptilien eine trockene mit hornigen Schuppen bedeckte Körperoberfläche. Sie schützt vor Verdunstung und Verletzungen. Die Bauchschuppen unterstützen die Fortbewegung. Da das Schuppenkleid nicht mit wächst, häuten sich Schlangen regelmäßig. Bei jungen Tieren passiert das im ersten Sommer bis zu 6 Mal. Bei älteren Tieren wird die Häufigkeit der Häutung von der Witterung beeinflusst. Alle Reptilien sind wechselwarme Tiere. Ihre Körpertemperatur, und damit auch ihre Aktivität, hängt von der Außentemperatur ab. Bei hohen Temperaturen sind die Tiere sehr aktiv, fangen viel Beute und wachsen schnell. Bei Kälte können sie längere Zeit fasten. Die alte Hautschicht wird als so genanntes „Natternhemd“ abgestreift.

Schlangen haben kein Gehör. Besonders gut sind bei ihnen das Bewegungssehen, der Geruchssinn und das Wärmeempfinden ausgeprägt. Sogar bei Dunkelheit können sie ihre Beute hervorragend orten. Ringelnattern ernähren sich hauptsächlich von Amphibien, gelegentlich auch von Fischen, seltener werden Eidechsen oder Mäuse gefressen. Durch einen Biss mit ihren kurzen Zähnen verletzt sie die Haut ihres Opfers, in die dann die geringe Giftmenge gelangt. Aufgrund der ungeheuren Dehnbarkeit des Ober- und Unterkiefers sowie des ganzen Körpers, kann die Ringelnatter Beutetiere verschlingen, die größer sind als sie selbst. Für Manschen ist ein Biss ungefährlich.

Ringelnattern überwintern an frostfreien Stellen im Erdboden oder in hohlen Baumstubben. Je nach Witterung kommen sie im März oder April wieder zum Vorschein. Nach einer Häutung paaren sie sich. Ende Juli bis August legen die Weibchen an geeigneten Plätzen bis zu 50 Eier ab. Die Brutplätze müssen feucht und möglichst warm sein. Besonders bevorzugt werden deshalb Kompost – oder Misthaufen sowie hohle Baumstubben. Das umfangreiche Gelege erklärt sich aus der großen Zahl an Fressfeinden, denen die jungen Ringelnattern nach ihrem Schlupf ausgesetzt sind. Zu ihnen zählen verschiedene Greifvogelarten, aber auch Störche, Reiher, Taucher und Rabenvögel sowie Iltis, Igel oder verschiedene Raubfische.

Ringelnattern sind sehr scheue Schlangen, die bei Gefahr schnell in einem Schlupfwinkel verschwinden. Ergreift man sie, kommt es kaum zu Abwehrbissen, sondern die Schlangen sondern aus ihrer Analdrüse eine sehr stark stinkende gelbe Flüssigkeit ab, um damit abzuschrecken. Ein weiteres interessantes Verhalten ist, dass sie sich bei anhaltender Gefahr auch tot stellen können.

Bedroht wird der Fortbestand der Ringelnatter aber nicht durch ihre tierischen Feinde, sondern infolge der zunehmenden Zerstörung ihres Lebensraumes durch den Menschen. Trockenlegungen von Feuchtgebieten, Ausbau von Uferzonen der Binnengewässer, Straßenbau und Landschaftszersiedlung, aber auch Umweltgifte sind Faktoren, die das Vorkommen dieser heimischen Reptilienart gefährden.