Fossilien aus „tropischen Meeren“ – Funde in Mecklenburg-Vorpommern

Biologische Aktivitäten sind auf der Erde seit ca. 3,8 Milliarden Jahren belegt. Innerhalb der letzten 500 Millionen Jahre konnte eine sich entwickelnde Organismenvielfalt im Tier- und Pflanzenreich dokumentiert werden, die das heutige Spektrum der  Biodiversität begründet. Die Geologischen Wissenschaften leisten  im Verbund mit den Biologischen Wissenschaften einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. Im Jahr der Biodiversität werden hier  Fossilien vorgestellt, die die Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt über die verschiedenen Erdzeitalter belegen.

rapsHügelketten, weite Sanderflächen, Seen, Sölle und Moore - diese und andere charakteristische Landschaftselemente reihen sich  in Mecklenburg-Vorpommern zu einem  abwechslungsreichen Landschaftsgefüge aneinander, das seinen Ursprung im ca. 2,58 Millionen Jahre währenden Eiszeitalter (Quartär) hat.

Die zahlreich anzutreffenden Gesteine, auch Geschiebe genannt, sind Zeugen dieser jüngsten geologischen Vergangenheit und der mit ihr verbundenen Vereisungen. Die hier vorkommenden Geschiebe wurden aus ihren Herkunftsgebieten durch die nordischen Inlandeismassen verfrachtet.
Ihre Heimat ist Baltoskandien, ein Gebiet, das sowohl Norwegen, Schweden, Dänemark, die Baltischen Republiken als auch den Ostseeraum umfasst. Untergeordnet gelten Südfinnland und die zumeist durch Salzaufstieg an die Erdoberfläche gelangten voreiszeitlichen Gesteinskomplexe als weitere Herkunftsgebiete der Geschiebe. Man unterteilt sie entsprechend ihrer geologischen Entstehung  in magmatische, metamorphe und sedimentäre Gesteine.

Die beiden erstgenannten Gesteinsgruppen besitzen mit ca. 98,5 % den Hauptanteil an den Geschieben. Weniger häufig sind mit nur 1,5 % die Sedimentgesteine.

Die Untersuchung der in den Sedimentärgeschieben vorkommenden Fossilien ist von großer Bedeutung für weitere „Entschlüsselungen“ zur Entstehung und Entwicklung des Lebens auf der Erde. Fossilien sind Überreste pflanzlicher und tierischer Organismen der erdgeschichtlichen Vergangenheit. Sie spiegeln eindrucksvoll die Lebewelt im  jeweiligen geologischen Zeitalter wider. Die Fossilerhaltung in den Geschieben ist z.T. sehr gut,  weil über geologische Zeiträume hinweg Gesteinablagerungen in den flachen Meeresbecken des baltoskandischen Raumes ungestört vonstatten gehen konnten. Andererseits fanden nach diesen Sedimentationen nur noch geringe tektonische Prozesse statt, die den Erhaltungszustand negativ beeinflussen konnten.

Durch die jeweils vorherrschende paläogeografische Situation (Verteilung von Land und Meer, Klima, Umwelteinflüsse …)  über viele Millionen Jahre und die damit verbundene Entwicklung des Lebens, ist die Vielfältigkeit fossiler Funde - gekoppelt mit dem Wissen um die Landschaftsentstehung unseres Bundesland - verständlich. So lassen sich  auch Fossilfunde aus „tropischen Meeren“ in Mecklenburg – Vorpommern erklären. Beispiele aus diesem Lebensraum:

Porifera (Schwämme) - Vorkommen: Kambrium bis rezent

Schwamm KreidezeitZu den am einfachsten gebauten Mehrzellern gehören die Schwämme (Porifera). In der erdgeschichtlichen Vergangenheit  waren sie wichtige Riffbildner. Erhaltungsfähige Überreste lieferten Kalk- und Kieselschwämme (Abb. 2).

Die  in der Abb. 2 zu sehenden Kalkschwämme sind rund bis kissenförmig. Ihr Durchmesser kann bis zu 50 mm betragen. Sie kommen isoliert in den  Ober-kreideablagerungen (71 – 65 Millionen Jahre) vor und sind   häufig von Bohrorganismen angebohrt oder durchbohrt.

Cnidaria (Nesseltiere) - Vorkommen: Präkambrium – rezent

Cnidaria (Nesseltiere)Zu den Nesseltieren zählt auch die Klasse der Korallen (Anthozoa). Man unterscheidet je nach überwiegen von Böden oder Septen, die am Korallenaufbau beteiligt sind, Bodenkorallen und Septenkorallen. An der Wende Ordovizium/Silur (ca. 443 Millionen Jahre vor heute) nahmen der Formenreichtum, die Verbreitung und vor allem Häufigkeit der Korallen zu. Sie waren wie die Schwämme Riffbildner (Abb. 3).

Mollusca (Weichtiere) - Vorkommen: Kambrium – rezent

Echinodermata (Stachelhäuter)Die Weichtiere werden in mehrere Klassen untergliedert. Am bekanntesten sind sicher Schnecken (Gastropoda) und Muscheln (Bivalvia). Die Kopffüßer (Cephalopoda) sind die höchstentwickelten Weichtiere mit einem vom Rumpf deutlich abgesetzten Kopf. Ihr Mund ist von Tentakeln (Fangarmen) umgeben. Sie besitzen ein röhrenförmiges Kalkgehäuse, das im hinteren Abschnitt regelmäßig durch Scheidewände in gasgefüllte Kammern unterteilt ist. Die Tiere bewohnten den nicht gekammerten vorderen Teil, die so genannte Wohnkammer. Ein vom Hinterende der Kopffüßer ausgehender dünner Hautschlauch (Sipho) durchzieht die Kammern dieser Tiere. Je nach Anzahl der zur Atmung benötigten Kiemen unterscheidet man Vier- und Zweikiemer.

Vierkiemer besitzen eine äußere gekammerte Schale, Zweikiemer hingegen eine innere oder fehlende Schale. Zu den bekanntesten fossilen Kopffüßern gehören zweifelsfrei die Orthoceren, die in den Grauen und Roten Orthocerenkalken des Ordoviziums häufig als Geschiebefunde in Norddeutschland zu entdecken sind.

Echinodermata (Stachelhäuter) - Vorkommen:  Präkambrium, Kambrium – rezent

Echinodermata (Stachelhäuter)Den Abschluss der hier aufgeführten fossilen Beispiele aus dem Lebensraum „tropischer Meere“ soll der Stamm der Stachelhäuter bilden. Die Stachelhäuter sind ausschließlich marin lebende Organismen. Kennzeichnend sind ihre fünfstrahlige Radialsymmetrie, ein kalkiges Innenskelett, eine stachlige oder warzige Körperoberfläche sowie röhrenförmige, mit Wasser gefüllte Füße (Wassergefäß- oder Ambulacralsystem). Zu den Stachelhäutern gehören: die Klassen:

Am bekanntesten sind hier sicher die Seeigel, die oft als Geschiebefunde in der Schreibkreidefazies  der Oberen Kreide  auftreten (Abb. 5).

Galerites gehört zu den irregulären Seeigeln. Im Gegensatz zu den regulären Seeigeln liegt bei den irregulären Seeigeln die Afteröffnung außerhalb des Scheitels, auf der Gehäuseober- oder -unterseite bzw. am Rand.

Literatur/Quellen: (Auswahl)

Hansch, W.; Schallreuter, R.; Hinz-Schallreuter, I.; Lierl H.-W. (1994): Nordische Geschiebe – Zeugen der Eiszeit. – Druckerei Mokler  & Co., Heilbronn.
Hohl, R. (Hrsg) (1981): Die Entwicklungsgeschichte der Erde. – VEB Brockhaus Verlag Leipzig.
Lehmann, U. (1987): Ammoniten – Ihr leben und ihre Umwelt. – Ferdinand Enke Verlag Stuttgart.
Lienau, H.-W. (2003): Geschiebe – Boten aus dem Norden. – PacoL Verlag Hamburg.
Müller, A.H. (1980): Lehrbuch der Paläozoologie. – Band II, Teil 1. – VEB Gustav Fischer Verlag Jena.
Müller, A.H. (1981): Lehrbuch der Paläozoologie . – Band II, Teil 2. – VEB Gustav Fischer Verlag Jena.
Müller, A.H. (1978): Lehrbuch der Paläozoologie. – Band II, Teil 3. – VEB Gustav Fischer Verlag Jena.
Nestler , H. (1982): Die Fossilien der Rügener Schreibkreide. – A. Ziemsen Verlag Wittenberg.
Reinicke, R. (1991): Rügen – Strand und Steine. – Demmler Verlag Schwerin.
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