Störe sind lebende Fossilien

Ihre Vorfahren, welche sich nur wenig von den heutigen Vertretern unterschieden, lebten bereits vor ca. 200 Millionen Jahren.

Acipenser oxyrhynchusMehr als 20 Störarten gibt es weltweit. Sämtliche Arten sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht! Die Ursachen sind Gewässerverbauungen, Gewässerverschmutzungen und die gnadenlose Jagd nach Störfleisch und Kaviar.

Noch vor 100 Jahren waren die Atlantischen Störe Acipenser sturio und Acipenser oxyrinchus wichtige Wirtschaftsfische in den Flüssen Norddeutschlands. In Hamburg gab es zur Vermarktung der Störe sogar eigens errichtete Störauktionshallen. Eine drastische Überfischung der beiden ursprünglich heimischen Störarten führte in Deutschland zum Aussterben! 

Mit bis zu 6 Metern Länge und 600 Kilogramm Gewicht war Acipenser sturio die größte heimische Fischart. Auf Grund von Restvorkommen von Acipenser sturio, an der westeuropäischen Küste, sowie Populationen von Acipenser oxyrinchus  an der Ostküste Kanadas, besteht noch Hoffnung, dass diese Arten nicht global aussterben.

Störe (Acipenseridae) gehören zu den Knochenfischen (Osteichthyes), stellen aber als so genannte Knorpelganoiden (Chondrostei) gewissermaßen einen Übergang von den Knorpelfischen (Chondrichthyes) zu den Echten Knochenfischen (Teleostei) dar. Einerseits besitzen sie ein Knorpelskelett, andererseits aber auch Knochenplatten.

Unter den Stören finden sich die größten Süßwasserfische der Erde. Der Hausen (Huso huso) kann eine Länge von 8 Metern erreichen und dann bis zu 2 Tonnen schwer werden.

Mit einigen Ausnahmen, wie Löffelstör oder Schaufelstör, sehen sich die Störarten sehr ähnlich. Da die Färbung sowie die Schnauzenform auch innerhalb der Arten variiert, werden Unterscheidungen zusätzlich erschwert. Dennoch sind die Schnauzenform, die Anordnung der Knochenplatten, die Farbgebung und die Beschaffenheit der Bartfäden die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale. Zwischen vielen Störarten gibt es auch natürliche und künstliche Kreuzungen (Hybriden). Künstliche Kreuzungen, wie zum Beispiel der Bester, bestehend aus weiblichen Hausen und männlichen Sterlet, sollen ein besseres Wachstum und eine bessere Fleischqualität liefern. Die Hybriden haben Merkmale von beiden Ausgangsarten. So wird bei dem Bester das enorme Wachstum des Hausens und die gute Süßwasserverträglichkeit des Sterlets vereint.

Störe haben allgemein einen relativ runden und lang gestreckten Körper mit einer spitz ausgezogenen Schnauze. Die unvollständige Körperbedeckung besteht aus freiliegenden, in fünf Reihen angeordneten Knochenplatten. Eine Reihe dieser Knochenschilder verläuft entlang des Rückens, eine jeweils entlang der Seitenlinien und eine jeweils entlang beider Bauchkanten, so dass der Körper fünfeckig erscheint. Die Schwanzflosse der Störe ist ungleichmäßig (heterocerk). Die Wirbelsäule verläuft im oberen Teil der Schwanzflosse weiter, der untere Teil der Flosse ist wesentlich kürzer. Dieses gibt den Stören oft ein haiähnliches Aussehen. An der Unterseite des Kopfes befindet sich ein zahnloses Maul mit wulstigen Lippen, welches wie ein Saugrohr vorgestülpt werden kann. Vor dem Maul stehen in einer Reihe vier Bartfäden, die mit zahlreichen Tast- und Geschmackszellen ausgestattet sind. Der Körper ist meist am Rücken dunkelbraun bis grauschwarz, an den Seiten heller und am Bauch gelblich bis weiß gefärbt.

Die meisten Störarten sind Wanderfische. Den größten Teil ihres Lebens verbringen sie im Meer oder im Brackwasser und steigen zum Laichen in die Flüsse auf (anadrome Wanderung). Nach dem Laichen verweilen die Elterntiere oftmals lange Zeit im Süßwasser, bevor sie wieder ins Meer oder Brackwasser zurückwandern. Einige wenige Störarten sind reine Süßwasserfische. Diese suchen zum Laichen, Fressen und Überwintern verschiedene Abschnitte des jeweiligen Flusssystems auf. Es gibt auch Wanderstörarten, welche vereinzelt Süßwasserpopulationen herausgebildet haben.

Störe erreichen ihre Geschlechtsreife erst sehr spät. Besonders die Weibchen (Rogener) der großen Störarten benötigen oft 15 bis 20 Jahren, bis sie zum ersten Mal ablaichen können. Die Männchen (Milchner) sind nach etwa 10 Jahren geschlechtsreif. Durchschnittlich 4 bis 5 Mal ist es einem Stör möglich an der Vermehrung teilzunehmen, vorausgesetzt er erlebt diese lange Zeit. Das Alter kann nämlich, je nach Art, 30 bis 120 Jahre betragen.

Die Nahrung der Störe besteht aus Insektenlarven, Würmern, Schnecken, Muscheln, Krebstieren und kleinen Fischen. Jungfische ernähren sich hauptsächlich von Zooplankton. Die Nahrungsaufnahme erfolgt durch Einsaugen der Nährtiere.

Weltweit sind viele Störarten in ähnlicher weise vom Aussterben bedroht, wie die beiden ursprünglich in Deutschland heimischen Atlantischen Störarten, Acipenser sturio und Acipenser oxyrinchus. Während in Deutschland eine lang andauernde Überfischung die Hauptursache für das Aussterben der Arten war, ist in Asien vor allem die gnadenlose Jagd nach dem Kaviar für den drastischen Rückgang der Großstörbestände verantwortlich. Kaviar sind gesalzene Eier (Rogen) der weiblichen Störe. Er gilt als hochpreisige Delikatesse. Durch illegalen Handel mit Kaviar werden ähnlich hohe Preise erzielt, wie mit dem illegalen Drogenhandel. Trotz internationaler Schutzmaßnahmen verringern sich die Bestände weiter. Der illegale Fang, die Tötung und der Verkauf der Störe ist oft leicht und schnell verdientes Geld, für viele Menschen aber auch die einzige Existenzgrundlage, denn in den meisten asiatischen Ländern herrschen schlechte soziale Verhältnisse.

Um die verbliebenen Störbestände wirkungsvoll zu schützen wird seit einigen Jahren versucht, künstliche Störzucht zum Zweck der Kaviargewinnung zu betreiben. Die hohe Kaviarnachfrage, gerade auch in Westeuropa, soll somit weitgehend gedeckt werden. Leider wurden bisher nur geringe Erfolge bei der künstlichen Kaviarproduktion erzielt. Einerseits gibt es geringfügige, qualitative Unterschiede zum Kaviar von Wildfischen, andererseits sind aber auch nur wenige finanzkräftige Kaviarkunden bereit, zum Schutz der Störbestände auf Wildkaviar zu verzichten. Wildkaviar ist leider noch immer ein Prestigeobjekt, daher ist der wahre Geschmack des Kaviars häufig von zweitrangiger Bedeutung. Die geringfügigen, qualitativen Unterschiede von Wildkaviar zur künstlichen Kaviarproduktion, welche durch die Haltung der Störe unter dauerhaften Warmwasserbedingungen, verbunden mit künstlichem Futter, entstehen sind somit für einen Erfolg nicht entscheidend. Es gibt die unterschiedlichsten, wohlschmeckenden Formen von Kaviarersatz. Hierbei wird der Rogen anderer, nicht gefährdeter Fischarten verarbeitet. Der so genannte Deutsche Kaviar, welcher für wenige Euro in vielen Einkaufsmärkten zu bekommen ist, stammt beispielsweise vom Seehasen, eine Fischart, welche in Nord- und Ostsee reichlich vorhanden ist. Das Geschmacksempfinden eines durchschnittlichen Bürgers vermag kaum einen Unterschied zum echten Wildkaviar festzustellen.

Bis vor einigen Jahren ist man davon ausgegangen, dass Acipenser sturio im gesamtdeutschen Raum, also Nord- und Ostseeeinzugsgebiet heimisch war. Gentechnische Untersuchungen an Museumspräparaten unterschiedlicher Herkunft brachten 1996 bei einem Abgleich die überraschende Feststellung, dass die letzten Ostseestöre nicht mit den einst in der Nordsee vorkommenden Stören identisch waren, sonder dem amerikanischen Atlantischen Stör Acipenser oxyrinchus entsprachen.

Somit gab es zwei ursprünglich heimische Störarten, wobei sich für Deutschland Acipenser sturio nur auf das Nordseeeinzugsgebiet und Acipenser oxyrinchus nur auf das Ostseeeinzugsgebiet  beschränkte. Überschneidungen beider Arten gab es wahrscheinlich nur in wenigen Gebieten, zwischen Nord- und Ostsee.       

Um den Ostseestör wieder einzubürgern, ist ein Nachzuchtprogramm zur Wiederansiedlung erstellt worden. Einige Laichstöre aus dem ostkanadischen St. John River, welche genetisch den ehemaligen Ostseestören entsprechen, wurden hierfür 2005 mit dem Flugzeug nach Deutschland gebracht. Die Arbeiten zur Umsetzung des Nachzuchtprogramms werden, im Rahmen des Gesamtvorhabens, vornehmlich am Leibnitz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Berlin und an der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg/Vorpommern unter anderen in Kooperation mit Fisch und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern e.V. durchgeführt. Die Koordination der Arbeiten der beteiligten Institutionen erfolgt durch die Gesellschaft zur Rettung des Störs e. V. mit Sitz in Rostock.