Baltischer Bernstein und seine Inklusen  

Baltischer BernsteinErste biologische Aktivitäten sind auf der Erde seit ca. 3,8 Milliarden Jahren belegt. Solche Nachweise lassen sich mit Hilfe der Paläontologie – der Wissenschaft von den Organismen der erdgeschichtlichen Vergangenheit – erbringen. 

Innerhalb der letzten 500 Millionen Jahre konnte so eine sich entwickelnde Organismenvielfalt im Tier- und Pflanzenreich dokumentiert werden, die das heutige Spektrum der  Biodiversität begründet. Auch ohne das Vorhandensein des Menschen gab es bestimmte Ereignisse, die zum Aussterben oder zur Entstehung von Arten führten. Katastrophen („Big Five“), weltweit nachgewiesen, führten zur Massenaussterben bestimmter Organismen; gleichzeitig waren sie aber auch Auslöser für das Entstehen neuer Arten.
Damit besteht jedoch keine Rechtfertigung für den Artenverlust, der heute nachweisbar durch Menschen verursacht wird.

Die Geologischen Wissenschaften leisten  im Verbund mit den Biologischen Wissenschaften einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. In loser Folge werden zum Thema Biodiversität Fossilien vorgestellt, die die Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt über die verschiedenen Erdzeitalter hinweg belegen.

Bernstein – Was ist das?    

Bernstein ist fossiles Harz, das von einer Vielzahl von Baumarten abgesondert wurde. Bisher sind mehr als 300 Bernsteinarten bekannt, die verschiedene Harzlieferanten besitzen. Bernstein ist unter günstigen Lagerungsbedingungen (unter Luftabschluss, am Gewässergrund) über Millionen von Jahren erhaltungsfähig.  Die ältesten bernsteinartigen Bildungen stammen aus dem Karbon und sind somit mehr als 300 Millionen Jahre alt. Die jüngsten sind tertiären Alters und weisen ein Alter von ca. 20 Millionen Jahren auf.

Aus dem Tertiär stammt auch der wohl bekannteste Bernstein, der Baltische Bernstein, den man am Nord- und Ostseestrand und bis weit in das Binnenland hinein finden kann. Harzlieferant war eine heute ausgestorbene Nadelbaumart, die vor ca. 35 bis 50 Millionen Jahren im südlichen Skandinavien(1 beheimatet war. Verletzungen an Stamm, Ästen und Zweigen führten zum Harzfluss, der sich heute in charakteristischen Bernsteinformen, wie z.B. Schlauben, Zapfen oder Tropfen, widerspiegelt. Es dauerte vermutlich viele Hunderttausend Jahre bis aus dem abgesonderten Harz Bernstein werden konnte.

Wo ist Baltischer Bernstein zu finden?

InklusenKein anderer Bernstein lässt sich in derart großer Menge finden wie der Baltische Bernstein.  Nur an seinem Entstehungsort in Südskandinavien (Der Entstehungsort des Baltischen Bernstein wird von verschiedenen Autoren unterschiedlich benannt. So führt Reinicke (1995) das südliche Skandinavien als „Herkunftsgebiet“ an, während Wichard und Weitschat (2004) das so genannte Urfennoskandien als solches benennen. Kartografische Darstellungen bzw. Erläuterungen geben dann eine konkrete Aufklärung.)  ist er nicht mehr zu finden. Die bekanntesten Fundstellen liegen auf der Halbinsel Samland zwischen dem Kurischen und Frischen Haff im heutigen Litauen. Hier wird der Bernstein in sekundärer (umgelagerter) Lagerstätte in der so genannten „Blauen Erde“, einer blaugrünen Meeresablagerung, abgebaut. Der Baltische Bernstein weist ein Alter von ca. 40 Mio. Jahre auf. Er wurde im älteren Tertiär, dem Obereozän, gebildet. Die Umlagerung in die Blaue Erde fand dagegen im jüngeren Tertiär, dem Oligozän, statt. Während der jüngeren Inlandvereisungen Nordeuropas, im Pleistozän, wurde der Bernstein durch die  Inlandeisvorstöße über eine große Fläche Nordeuropas verbreitet und ist somit auch in den eiszeitlichen Ablagerungen des Binnenlandes zu finden.

Eigenschaften des (Baltischen) Bernsteins

Bernstein besteht chemisch aus 79 % Kohlenstoff (C), 10,5 % Wasserstoff (H2) und 10,5 % Sauerstoff (O2). In reiner Form ist er von hellgelber Farbe. Verschiedene Beimengungen und mechanische Einschlüsse bewirken Farbweichungen, die bei allen Bernsteinarten auftreten können. So gibt es roten, weißen, grünen, schwarzen, braunen  und sogar blauen Bernstein.
Bernstein brennt mit stark rußender Flamme („Börnsteen“) (altniederdeutsch börnen = brennen).

Er weist mit 1,05 bis 1,10 g/cm3 eine sehr geringe Dichte auf und schwimmt deshalb in Salzwasser. Bernstein ist relativ weich, so dass er sich leicht bearbeiten lässt (Mohshärte: 2 -3).

Suche und Nutzung des Baltischen Bernsteins

Schon frühzeitig wurde der Mensch auf die „leichten“ Steine mit der auffälligen goldgelben bis rostroten Farbgebung aufmerksam. Bereits in der Bronzezeit (1800 – 600 vor heute)  tauschte man  z.B. Bernstein, um Bronzebarren zu erhalten. Da er auch einfach zu bearbeiten war, schnitzte man aus ihm Schmuck- und Kultgegenstände. Bernstein entwickelte sich also zu einem gefragten Tausch- und später Handelsobjekt.

Inklusen - Besonderheiten im Baltischen Bernstein

Spinne in Bernstein eingeschlossenInklusen im Baltischen Bernstein stellen eine besondere Form tierischer und pflanzlicher Fossilerhaltung dar. Die  Einschlüsse in diesen fossilen Harzen sind  aber vor allem ein Indiz für die im Tertiär (Eozän: 55 – 34 Millionen Jahre vor heute) erreichte Artenvielfalt. Dies’ wird vor allem bei der Fülle der ausgewiesenen  Insektenarten deutlich.

Darüber hinaus liegen aber auch Nachweise von Spinnen- und Krebstieren sowie anderen Einzelindividuen vor. Pflanzliche Überreste stellen ebenfalls keine  Seltenheit dar, sind aber im Vergleich zur Bernsteinfauna verhältnismäßig weniger bekannt. Die Organismen bzw. Organismenreste blieben am zähflüssigen Harz kleben und wurden von ihm eingeschlossen. Es sind die perfektesten Fossilien der Erdgeschichte und damit Studienobjekte der Wissenschaftler.

Die Untersuchungen an der im Baltischen Bernstein eingeschlossenen fossilen Fauna und Flora ermöglichen Vergleiche von Organismen der erdgeschichtlichen Vergangenheit  mit den heute lebenden und lassen auch taxonomische Aussagen zu. Ebenso sind Rückschlüsse zu den im Tertiär vorherrschenden paläogeografischen Verhältnissen (Klima, Vegetations- und Umweltbedingungen) möglich.

Wie bereits erwähnt, stellt die sehr gute Erhaltungsqualität der Fossilien bei den Inklusen eine Besonderheit dar. Meist sind es nur erhaltungsfähige Bruchstücke bzw. Einzelteile von Organismen, die eine Bestimmung oder Zuordnung zu einer Klasse, Gattung oder Art erschweren bzw. sogar unmöglich machen. Das ist bei den Inklusen nicht der Fall.
Nach Krumbiegel und Krumbiegel (1996) wurden  ca. 216 Pflanzenarten im Baltischen Bernstein nachgewiesen. Es handelt sich überwiegend um Holzreste, Blätter und Nadeln, Knospen, Pollen, Blüten und Früchte. Aber auch die niederen Pflanzen, wie Flechten und Moose, sind vertreten.
Auch die systematisch eigenständigen Pilze sind im Baltischen Bernstein zu finden.  Wichard und Weitschat (2004) listen das Spektrum der im Baltischen Bernstein vertretenen Fauna prozentual auf:

Literatur/Quellen:

Für die freundliche Bereitstellung der Fotos (Abb. 1–3) danken wir Herrn Hartwig K. Neuwald aus Eggesin.