Restaurierungsarbeiten an sehr alten Flurkarten abgeschlossen

Im Sammlungsbestand des MÜRITZEUMS/Naturhistorische Landessammlungen befindet sich auch eine kleine aber wertvolle Kartensammlung. Es sind unverzichtbare Dokumente zur Landes- und Regionalgeschichte. Ein besonderer Schatz sind die Karten des 18. Jahrhunderts.
Zu den bekanntesten Kartenwerken jener Zeit gehören die Schmettauschen Karten. Sie entstanden im Ergebnis der militärischen Vermessung des Landes, die unter der Leitung von Oberst F. W. Graf v. Schmettau ab Mitte des 18. Jh. stattfand. Nicht nur für Geographen und Historiker bietet dieses detaillierte Kartenwerk zu den beiden Herzogtümern Mecklenburgs eine Fülle von Informationen.

Eine besondere Bedeutung für die Landesgeschichte haben aber fünf großformatige handgezeichnete Karten. Ihre Entstehung ist eng mit der Geschichte Mecklenburgs im 18. Jahrhundert verbunden. Drei Karten wurden 1726 bzw. 1727 von hannoverschen Landvermessern angefertigt. Anlass war die Verhängung der Reichsexekution gegen Herzog Karl Leopold von Mecklenburg - Schwerin. Die in Waren verbliebenen Karten stellen eine Vermessung der Warener Stadtflur dar. Eine zweite Ausführung dieser Karten blieb im Niedersächsischen Landesarchiv Hannover erhalten.
Zwei weitere Karten entstanden 1756 und 1766. Entsprechend der Vereinbarungen zwischen Ritterschaft und Landesherrn im Landesgrundgesetzlichen Erbvergleich von 1755, wurde die Direktorialvermessung von Gütern und Ämtern fortgesetzt. Bei der Karte des Rittergutes Groß Gievitz handelt es sich offensichtlich um eine Reinzeichnung. Die Karte von 1766 ist ein Kartenentwurf, ein so genannter Brouillon. Dargestellt sind die zur Stadt Waren gehörenden Feldmarken.

Den 5 großen Flurkarten im Bestand der Naturhistorischen Landessammlungen konnte man ihre lange und wechselvolle Geschichte bereits deutlich ansehen. Eine erste fachliche Begutachtung ergab die dringende Notwendigkeit einer Konservierung, wollte man die Karten erhalten. In Trägerschaft des „Warener Museums- und Geschichtsvereins e.V.“ wurde ein Projekt zur Restaurierung der Karten entwickelt. Entscheidend für die Realisierung der Rettungsaktion war aber die Finanzierung durch den „Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder“. Unbürokratisch wurden die notwendigen Mittel bereitgestellt. Die Restauratorin Barbara Schinko aus Dresden übernahm die Restaurierungsarbeiten, die sich bei den überdimensionalen Kartengrößen als überaus schwierig erwiesen.

Ziel der Kartenrestaurierung war es, die historischen Karten zu konservieren, um sie weiterhin bewahren und wissenschaftlich nutzen zu können. Im Vordergrund stand die Sicherung der historischen Substanz. Eine Rekonstruktion von Fehlstellen war nicht geplant.

Ein besonders schwieriges Problem stellte die größte Karte dar. Die Brouillonkarte (frz. brouillon = erster Entwurf) von 1766/67 zeigte besonders an den Rändern große Schadstellen. Mit ihren Maßen von 4,70 m x 3,00 m war es bisher nur schwer möglich, sie sachgerecht zu lagern. Die Nutzung war sehr eingeschränkt. Es wurde deshalb entschieden, die Karte nach der Restaurierung in handhabbaren großen Segmenten aufzubewahren. Sie entstanden als Zwischenschritt der Restaurierung und können jederzeit wieder zu einer Gesamtkarte zusammengefügt werden. Nach abgeschlossener Restaurierung wurden die Karten nun zusammen mit anderen interessanten Sammlungsstücken im Rahmen der Sonderausstellung „Karten mit Geschichte“ vom 1.9. bis zum 28. 11. 2010 im Haus der Sammlungen gezeigt.

Museen tragen eine besondere Verantwortung für das ihnen anvertraute Kulturgut. Der Aufwand dieses zu erhalten, übersteigt oft die vorhandenen Budgets. Sammlungen und Museen brauchen deshalb die Unterstützung starker und zuverlässiger Partner. Durch das Förderprojekt wurden die Restaurierung und damit die Bewahrung wertvollsten Kulturgutes möglich. Die Karten stehen nun vielfältigen Forschungen zur Verfügung.

Wir danken allen, die zum Gelingen des Projektes beigetragen haben.