Natur im Sammlungsschrank

Obwohl der hundertjährige Rothirsch seine Besucher stumm begrüßt, herrscht im Haus der Sammlungen keineswegs Ruhe. Der alte Backsteinbau des Müritzeums hat viele Bewohner und schon zahlreiche Besucher gesehen. Adler, Grashüpfer, Miesmuschel - Wasserwanze, Farne, Moose und Pilze - die lebensechten Präparate von Tieren, Pflanzen und Fossilien lassen täglich viele "Ahs" und "Ohs" erklingen. Die Dauerausstellung „Natur im Sammlungsschrank“ berichtet von der Faszination des Sammelns, Bewahrens und Forschens und zeigt eine faszinierende Auswahl der insgesamt 285.000 Objekte der Naturhistorischen Landessammlung

2016:   Ein Schatz, der Wissen schafft

150 Jahre Naturhistorische Sammlungen Mecklenburg-Vorpommern

Veranstaltungen, Sonderausstellung, Tagungen

Begrüßung durch einen Hundertjährigen

Rothirsch begrüßt die GästeEin stattlicher, mehr als 100 Jahre alter Rothirsch heißt im Foyer die Besucher willkommen. Bereits hier wird die Formen- und Farbenvielfalt der heimischen Natur lebendig: Vögel, Eier, Pflanzen, Insekten, Schneckengehäuse und Muschelschalen, wohin man blickt. Nebenan lässt ein 7 Meter hoher Bohrkern mit maßstabsgetreu angeordneten Segmenten 250 Millionen Jahre wieder aufleben. Er beginnt in 1,5 Kilometer Tiefe im Trias mit der namensgebenden Dreiteilung aus Bundsandstein, Muschelkalk und Keuper. Weiter geht es durch Jura, Kreide und Tertiär bis ins Quartär, dessen Beginn die Eiszeit einläutete. Auf dieser Reise machen wir natürlich die Bekanntschaft typischer Lebewesen der einzelnen Zeitalter. Bis heute überdauerten ihre Überreste als Fossilien. Wie Gletscher und Geröll die norddeutsche Landschaft während der Eiszeit geformt haben, verrät das Treppenhaus.

Rückblick – Begegnung mit Forschern, Sammlern und Gründungvätern

So unnatürlich Ordnung und Systematik erscheinen mögen, so unverzichtbar sind sie für den, der die Natur erforscht. Der Raum »Rückblick« stellt die Gründerväter des Museums, den Stifter Hermann von Maltzan und den ersten Leiter Carl Struck vor. Was sie in der Natur an großen Mengen zusammengetragen haben, wurde drinnen in mühevoller, vor allem aber leidenschaftlicher Kleinarbeit katalogisiert. Mit dieser Arbeit, ohne die Blässhuhn oder Hirsch nur irgendwelche Tiere wären, legten sie den Grundstock für eine Sammlung, die Forscher wie Interessierte seit jeher begeistert. Daneben lernen wir weitere wichtige Namen des 19. Jahrhunderts kennen, die die Naturwissenschaft in Mecklenburg vorangetrieben haben. Mit Präparaten, Fotos, Büchern und Dokumenten wird die Entstehung und Entwicklung der Naturhistorischen Sammlungen lebendig. Wir lesen in alten handschriftlichen Aufzeichnungen und stehen Aug’ in Aug’ den Forschungsobjekten gegenüber.

Lebensechten Präparaten ins Auge blicken

Wessen Forscherdrang nun geweckt ist, der kann selbst auf Exkursion gehen und in den Vitrinen und Schubladen der Sammlungsschränke stöbern. Wahre Schätze liegen hier offen und im Verborgenen. Im Raum »Einblick« lernen wir unter anderem, wie Adler, Grashüpfer, Schnecke oder Miesmuschel präpariert werden, damit sie für die Ewigkeit in den Sammlungsschrank einziehen können. Das Ergebnis: Beinahe lebendige Tiere, die den Betrachter mit treuen Augen anschauen oder ihn mit großen Klauen das Fürchten lehren. Für tiefere Einblicke in die Sammlungs- und Forschungstätigkeiten empfiehlt sich die digitale wissenschaftliche Spezialbibliothek des Müritzeums an. Sie enthält einige der 16.000 Buchbände des Hauses, die hier direkt am PC gelesen werden können.

Selbst ist der Forscher im Forscherkabinett

Im Forscherkabinett im Haus der Sammlungen können interessierte Besucher selbst alle Werkzeuge und Daten zur Hand nehmen, um beispielsweise ein Schneckengehäuse oder ein geologisches Objekt zu bestimmen. Und spürt am eigenen Leibe, was des Forsches Lust und Last ist: Man erfährt zwar viel, aber nie alles über ein Exponat. Diese Rätselhaftigkeit erhält schon seit Jahrhunderten die Lust und Spannung am Sammeln, Bewahren und Forschen. Gleichzeitig ist sie die Garantie dafür, dass auch künftig noch unendlich viel zu entdecken ist.